„Doktor Wald“ und der „Tag der Kranken“

03.03.2013

Es ist kaum bekannt: Seit 74 Jahren wird in Europa am ersten März-Sonntag der „Tag der Kranken“ begangen. 2013 steht dieser Gedenktag unter dem Motto „Vom Stress des Krankseins“. Was aber hat das mit dem Wald zu tun? Ganz einfach – auch er vermag zur Genesung Kranker wirkungsvoll beizutragen. Die Worte Wald und Gesundheit sind deshalb für viele Menschen zu Recht ein Begriffspaar. Weiterlesen ...

Gesundheit wird heute meist als Zustand des umfassenden körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens definiert. Wer etwas dafür tun will, kein Millionär ist und (vielleicht mit zunehmender Lebensweisheit?) auch den Grundsatz „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“ wieder zu schätzen gelernt hat, dem empfehle ich als Förster: Konsultieren Sie regelmäßig „Doktor Wald“!

Tun Sie das, wenn möglich, gemeinsam mit Familie und Freunden oder anlässlich einer Försterwanderung – gerade jetzt, da die Sonne täglich höher steigt, entdecken Sie dabei viel Schönes, Interessantes und Wissenswertes, tauschen sich darüber aus, singen dabei vielleicht sogar wieder einmal ein Lied ... und holen sich so Mut und Kraft für den Alltag.

Hier die tieferen Gründe für meinen Rat:
Die positiven Wirkungen des Waldes als „Körperpfleger“ sind uns bestens vertraut. Dazu nur einmal ein paar Stichworte: Staubfreie und durch ätherische Öle bakterienarme Luft mit würzigem Duft, angenehmes und von ausgeglichenen Temperaturen bestimmtes reizarmes Schonklima, Fehlen lästiger Geräusche...

Wald bietet auch Raum für Bewegung: mit der Möglichkeit für Sport- sowie Freizeit-Aktivitäten auf weichem Waldboden und unter den schattenspendenden Kronen der Waldbäume fördert er den Gleichgewichtssinn, schont die Gelenke, stärkt Herz, Kreislauf oder Muskeln und hilft gegen Diabetes, Übergewicht oder Infarkt.

Als „Natursanatorium“ mindert der Wald so eine große Zahl von gesundheitlichen Problemen, trägt zum Beispiel zur besseren Durchblutung von Lunge und Gehirn, Stärkung des Immunsystems, Senkung des Blutdrucks, Verbesserung der Blutzuckerwerte ... bei.

Wald ist auch „grüne Apotheke“ – viele hier wachsende Wildpflanzen haben eine gesundheitsfördernde Wirkung und können damit als Heilpflanzen gelten. Sie verfügen im Vergleich zu am Profit ausgerichteten Züchtungen oft über einen hohen Nährwert, enthalten viele Vitamine und Mineralsalze; ihre Blätter sind kalzium- und eisenhaltig. Essen Sie doch zur Probe einfach einmal Walderdbeeren und dann im Vergleich „Erdbeeren“ genannte Erzeugnisse aus der Kaufhalle; was stellen Sie fest?

Mit beruhigenden Farben, wohltuenden Lichtverhältnissen, angenehmen Helligkeitskontrasten, ästhetischen Bildern, sympathischen Düften, der Chance zum Jahreszeiten-Erleben ... vermag der Wald uns auch geistig zu ertüchtigen und zu euphorisieren. Hier kann man Stress abbauen, Glück und Freude bereiten, seine „Seele baumeln“ lassen, die Natur (und damit sich selbst) mit allen Sinnen bewusst erleben.

Im Wald gelingt es, den uns medial verpassten künstlich-affektierten Schein samt Marktschreier- und Schaumschläger-Maske einmal abzuwerfen. Dort ist es möglich, kreativ und spontan zu sein, abseits der hektischen Welt Entschleunigung, Beschaulichkeit und Stille zu suchen. Dabei hilft die Farbe Grün und ihre harmonisierende Wirkung auf die Psyche sowie der Hell-Dunkel-Kontrast als Anregung der Sinne durch Abwechslung, Ausgleich oder Unterstützung der eigenen Stimmung.

Jeder Waldgang vermag damit immer auch ein wenig Zuversicht zu geben, Hoffnung zu wecken, Mut zu machen, innere Stabilität, Ruhe, Kraft und Ausgeglichenheit zu bewirken.

Solche Eigenschaften wurden von unseren Vorfahren einst mit dem Wort Seelenfrieden bezeichnet – sie fehlen heute bekanntlich unzähligen Zeitgenossen. In unserer schnell-anstrengenden, von stetem Wandel, „Konsumterror“ und medialer Hektik geplagten Leistungsgesellschaft erleben viele Menschen (oft schon als Kinder und Jugendliche) stattdessen „Seelengift“, wenn sie sich ungenügend unterstützt, einsam und unwert fühlen: Momente des Nicht-mehr-Könnens, der Verzweiflung ... Manchmal entwickeln sich daraus auch Zustände, die als Ausgebrannt-Sein bezeichnet werden.

Unter solchen „Burnouts“ leidet natürlich auch das Mensch-Mensch-Verhältnis und damit etwas, das unsere Altvorderen einst als Nächstenliebe bezeichneten. Denn: wer nicht mit sich selbst zurecht kommt, schafft das natürlich erst recht nicht mit anderen Leuten!

Auch hier hilft der Waldgang in der Gruppe: gemeinsame erlebnishafte Natur-Entdeckungen und das Teilen von Wald-Erfahrungen ermöglichen in einer maßlos gewordenen Zeit, den Nächsten wieder zu entdecken, Wir-Tugenden neu zu beleben, Mit-Menschlichkeit sowie Mit-Leid zu empfinden.

Übrigens:
Viele Förster und andere waldpädagogisch tätige „Waldprofis“ sind den Geheimnissen von „Doktor Wald“ auch mit ihrer waldbezogenen Umweltbildung auf der Spur, etwa wenn sie „Wald und Gesundheit“ mittels Försterwanderungen, Waldprojekttagen und forstlichen Schüler-AGs, Jugendwaldeinsätzen, Waldschul-, Waldtheater- und Schulwaldarbeit, Waldjugendspielen / Waldrallyes, forstlicher Ganztagsschularbeit ... thematisieren.

Was man noch wissen sollte:

  • Termine für organisierte Wald-Veranstaltungen dieser Tage erfahren Sie hier: www.treffpunktwald.de
  • Hier (unter Pos. 8) finden Sie viel Wissenwertes zu Wald & Gesundheit
  • Eine kleine Ausstellung zum Thema sowie Erläuterung zur „Praxis Dr. Wald“ am Gräbendorfer Haus des Waldes (Bundesland Brandenburg) findet sich hier.
  • Hier kann man das „Doktor-Wald-Gedicht“ von Förster Hartmut Dagenbach lesen.

Über Risiken und Nebenwirkungen von „Doktor-Wald-Medizin“ ist bislang nichts bekannt geworden. Fragen Sie Ihren Arzt oder Förster!

Klaus Radestock