Unser Wald ist jederzeit schön und erlebenswert - Ort nicht nur der Nutzung und des Schutzes, sondern auch der Erholung, Bildung und sozialen Begegnung.Das gilt ganz besonders in der nun kommenden Advents- und Weihnachtszeit im „Jahr der Wälder“: Nie wirkt uns „Doktor Wald“ hilfreicher als jetzt!
Forstleute, Waldbesitzer und andere „Waldprofis“ vermitteln „Deutschlands grünes Drittel“ deshalbwiederum mit einer Fülle von jahreszeitlich angemessenen Walderlebnis-Möglichkeiten zum Jahresausklang.
Waldweihnacht im Trend
Seit ein paar Jahren lassen sich mehr und mehr Menschen zum Jahresausklang von beschaulich-gemütvollen Wald-Aktivitäten begeistern.
Bei den Deutschen sind derzeit vor allem die folgenden Angebote der waldbezogenen Umweltbildung zur Advents- und Weihnachtszeit zu einer schönen Tradition geworden:
Das Rheinland-Pfälzer Haus der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz hatte 2010 übrigens noch eine ganz besondere Idee: Mit dem Kauf eines Weihnachtsbaums kann man dort gleichzeitig für ein Generationenprojekt Weihnachtswald spenden“. Vielleicht spricht sich dieses schöne Projekt herum?
Hilft „Doktor Wald“ auch im Advent?
Waldweihnacht – das ist übrigens nicht irgendein „Event“ unter tausenden in dieser Zeit auf die Menschen einprasselnden Angeboten.
„Doktor Wald“ vermag uns vielmehr gerade in dieser Zeit als „Seelentröster“ zur Seite zu stehen, uns zur Besinnung und auf den mühsamen Weg zu uns selbst führen.
Warum das so und heutzutage auch besonders nötig ist, erfahren wir mit einem Blick in die Geschichte und auf unsere Gegenwart.
Die geweihten Nächte unserer Altvorderen
Unseren keltischen, germanischen und slawischen Vorfahren in Mitteleuropa galten die lichtarmen Wochen vor der Wintersonnenwende einst als stille besinnliche Zeit.
Sie entwickelten in der Erwartung der bald wieder wachsenden Kraft der Sonne über Jahrtausende vielerlei wald-, baum- oder holzbezogene Sitten, Bräuche und Mythen, in deren Mittelpunkt diese Hoffnung stand: „Es werde (wieder mehr) Licht!“.
Daran schloss der an die Geburt Jesu geknüpfte, im Lukas-Evangelium ungemein liebenswert geschilderte christliche Weihnachtsgedanke an, in dem die Tugenden Glaube – Liebe – Hoffnung am vollkommendsten zu Ausdruck gebracht werden.
… und was wir daraus gemacht haben
Die an Augenblicksökonomie und schnellem Gewinn orientierte, schuldenmacherische, technikverliebte, verwissenschaftliche, medial-verkabelte, gleichmacherisch-globalisierte … Moderne hat es jedoch mit sich gebracht, dass diese schönen Traditionen seit etwa fünf Jahrzehnten auch in unserer Heimat per Inflation und Manipulation pervertiert und in’s Gegenteil verkehrt werden:
Schon ab Mitte September füllen sich oft die Regale mit billig-plastgefertigtem fernöstlichem „Weihnachtströdel“,
in den im künstlichen Glitzer und Flitter prunkenden städtischen „Konsum-Tempeln“ dudeln derzeit weltweit die immer gleichen, einst schönen, aber nun zerlederten Weihnachtslieder,
viele Weihnachtsmärkte gleichen eher Rummelplätzen - Grelle, Schrille, Lärm … triumphieren,
zahllose Menschen verbringen diese Tage wie in einem „Jahresendfieber“ – nach ohnehin stressiger betrieblicher Torschluss- und Abrechnungs-Panik und steigern sie sich privat in eine Art Kaufrausch, nur um eine Fülle von Geschenken zu erwerben, die hinterher oft wieder umgetauscht werden müssen,
zum Fest selbst finden dann vielerorts wahre „Fress-Orgien“ statt, wie sie nur frustbedingt denkbar sind …
Im Satireblatt „Eulenspiegel“ sah ich vor geraumer Zeit einmal eine Zeichnung, in dem ein verwunderter Jesus Christus aus dem Himmel herab auf das lärmend-gleißende Gewusel einer New Yorker Weihnachtsmann-Parade schaut und sich staunend fragt: „Meinen die wirklich mich?“.
Wer weiß eigentlich, dass die heute populäre Gestalt des Weihnachtsmanns in seinem weißbesäumt-kapuzenen roten Mantel seit 1931 für Werbekampagnen der Firma Coca Cola genutzt wird? Andere Quellen sagen gar: er ward solcherart extra dafür erfunden.
Wen wundert’s noch, dass die Weihnachtszeit inzwischen vielerorts die mit der größten Zahl der Sterbefälle ist – sei es durch Herz- oder Schlaganfall, Autozusammenstoß, Selbsttötung …
Und: Nie gibt es im Jahreslauf mehr Familienstreitigkeiten oder gar -Tragödien als an Weihnachten; Aggressionen, Depressionen und andere psychische Störungen wachsen heute auch und gerade in dieser Zeit.
Betrachte ich mir diese Jahresendhektik vieler meiner Landsleute, so wird mir erneut klar, wie Recht Mark Twain hatte, als er einmal sagte: „Als sie das Ziel entgültig aus den Augen verloren hatten, verdoppelten sie ihre Geschwindigkeit“.
Macht diese Art, Advent und Weihnachten zu begehen, uns heutzutage krank?
Kommen wir zur Besinnung?
Gottlob: Vielen Leuten ist das alles inzwischen lästig geworden - nicht nur an Weihnachten; sie beginnen sich diesem rasenden Mehr, Größer, Höher, Schneller, Weiter, Lauter, Billiger, Hässlicher, Gleichmacherisch-zentraler … zu verweigern.
Denn: wer sich einmal die Zeit nimmt, über den Sinn seiner Existenz auf Erden nachzudenken, statt sie mit „shoppen gehen“ oder „vor der Glotze hocken“ totzuschlagen und im Übrigen fortlaufend durch’s Dasein zu hetzten, wird sich stattdessen nach einem Quäntchen Weniger, Kleiner, Langsamer, Leiser, Freundlicher, Schöner, Lebens- und liebenswerte, Differenziert-regionaler … sehnen.
Er hat dann die Moral der Mär„Vom Fischer und sin Fru“ begriffen - will nunmehr mit einem erfüllten Leben „sein“ statt immer nur und immer mehr „haben“.
Also, Leute: Ab in den Wald, auch im Advent.
Ihr habt die Wahl!
Was sollte man noch in Sachen Waldweihnacht wissen?
Einige Veranstaltungs-Beispiele für die kommenden Advents-Wochen finden Sie hier: www.treffpunktwald.de.
Aber nicht alles steht im Netz - fragen Sie bitte außerdem bei Ihrem Förster „von nebenan“, Waldbesitzern, Waldfreunden der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald oder anderen „Waldprofis“ nach.
Wissenswertes über das Thema Wald im Advent sowie Wald und Weihnacht erfahren Sie außerdem hier.
Kontakt:
Klaus Radestock, Tel 033763-64444