Waldpädagogik an Ostern

OsterhaseAn Ostern (hebräisch: pessach) feiert die Christenheit die Auferstehung Jesu Christi. Der in unserer Sprache gebräuchliche Name Ostern ist jedoch germanischen Ursprungs und von der Himmelsrichtung Osten abgeleitet. Hier schließt sich der Überlieferungs-Kreis: Der Ort der aufgehenden Sonne gilt als Symbol des wiederkehrenden Heilands.
Viele heutige Osterbräuche sind heidnischen Ursprungs, und sie sind es auch, an die wir dieser Tage mit der Waldpädagogik meist anknüpfen. Für die „Macher“ ist dennoch wichtig, stets auf beide Traditionslinien hinzuweisen, denn: „Zukunft braucht Herkunft!“

„Mystifizieren“ als Waldpädagogik-Methode

Die waldbezogene Umweltbildung der Förster und anderer „Waldprofis“ setzt sich aus sieben Bestandteilen zusammen: neben Grundlagen, Grundsätzen, Akteuren, Angeboten, Themen und Anlässen spielen auch Methoden eine Rolle.

Methoden sind Handhabungen oder Arten-und-Weisen einer Durchführung; man kann sie auch kurz und knapp als „der Weg zum Ziel“ definieren.
Eine (bisher noch wenig gebräuchliche) waldpädagogische Methoden-Gruppe ist dabei das Mystifizieren. Hierbei gilt es, sich die Wunderwelt des Waldes mit märchenhaften Ausflügen ins Geheimnisvoll-Rätselhaft-Spannende oder gar Übernatürliche zu erschließen.

Waldwesen im Volksglauben

Fiktiven Waldwesen wie Zwergen, Trollen, Feen, Elfen ... wird im „Mythos Wald“ bekanntlich übermenschliche Kraft und Macht nachgesagt. In Europa spielen sie in uralten Glaubensvorstellungen der keltischen, slawischen oder germanischen Völker, später auch bei den überlieferten Märchen des ausgehenden Mittelalters sowie in den Novellen und der Belletristik der deutschen Romantik eine Rolle. Bis heute ist die Sammlung von Volksmärchen der Gebrüder Grimm auf diesem Gebiet weltweit prägend.

„Verzauberung“ tut Not!

Bedenkt man, dass „märchenempfängliche“ Vor- und Grundschüler die wichtigste Zielgruppe der Waldpädagogik sind, und erwägt man ferner, dass in einer wachsenden Zahl von Elternhäusern keine Märchen mehr erzählt oder gelesen werden, obwohl das für die kindliche Entwicklung nachweislich von hohem Wert ist, so wird ihre Bedeutung als Methode der (nicht nur waldbezogenen) Umweltbildung deutlich.
Wenn auch derzeit das Lesen und Zuhören mehr und mehr durch das Filmeschauen in Kino, PC oder „Glotze“ abgelöst wird: wie faszinierend derartige Mythen noch (und zunehmend auch heute wieder) sind, zeigt der Erfolg moderner „Fantasy-Werke“ wie Harry Potter oder Herr der Ringe.
Wollen wir nicht - selbst noch als Erwachsene - in unserer heutigen ökonomisch-nüchtern-verwissenschaftlicht-hektischen Welt ab und an vielleicht doch wieder etwas „verzaubert“ werden?

Oster-Mythos

Auch beim „Mythos Wald“ ist es wichtig, dass das rechte Angebot zur rechten Zeit und mit passenden Themen erfolgt.
Wenn nun zu Ostern „... vom Eise befreit sind Strom und Bäche ...“ (Goethe), dann ist das zweifellos aus sowohl kulturellen als auchjahreszeitlichen Gründen ein wichtiger Höhepunkt unserer Arbeit. Für waldpädagogisch tätige Forstleute, SDW-Mitglieder und andere „Waldprofis“, die nun Familienwaldtage, Waldwanderungen, Osterbasteleien und
-nestsuchen, Waldrallyes, Hasenquiz ... durchführen, liegt jetzt die Gedankenverbindung zu den zwei Themen sehr nahe: Hase und Ei.

Osterhase, Rasselbock ...

Natürlich ist schon der berühmte „Osterhase“ ein faszinierender Volksglaube – die Folge 51 der Schriftenreihe „Waldbote“ geht ihm unter der Überschrift „Meister Lampe“ einmal nach. Hier heißt es dazu:
„Der Hase, ein bekanntes Fruchtbarkeitssymbol, galt unseren Vorfahren einst als fackeltragender Begleiter der germanischen Licht- und Frühlingsgöttin Ostera, nach der dann im Gefolge der Christianisierung das Fest anlässlich der Auferstehung Jesu genannt wurde.
Im frühen Mittelalter erscheint Christus in der Tiersymbolik des alten Byzanz auch als Hase; das dem Langohr unterstellte Schlafen mit offenen Augen brachte man in der Folgezeit ebenfalls mit dem Thema „Auferstehung“ in Verbindung.
Als man nach der Reformation im 16. Jahrhundert eine neue, weltliche Erklärung suchte, die man den Kleinen für den plötzlichen Eiersegen am Ausgang der Fastenzeit geben konnte, ward die Mär vom hoppelnden Eier-Boten geboren oder vielmehr wieder erfunden.
Die „zoologische Sensation“ vom eierlegenden Osterhasen wurde erstmals in der Dissertation eines Herrn Francus aus Heidelberg erwähnt. 1758 hat ein Förster im Elsass sogar ein amtliches Protokoll über ein solches Tier gefertigt.
Damit dürfte also feststehen: Osterhasen legen Eier, bemalen und verstecken sie für uns Menschen!“

Man kann in Sachen Ostermythos gern einmal noch etwas tiefer „gründeln“ und dann sogar dem geheimnisvollen Rasselbock nachspüren!

Ostereier

Aber auch die Gedankenverbindung Ostern - Eier - Vögel hat es in sich.

Haben Sie sich schon mal die Frage gestellt, was eigentlich Eier mit Ostern zu tun haben?
Das ist eine „uralte Kiste“: Auch diese schmackhaft-rundlich-tierischen Gebilde waren Fruchtbarkeitssymbole unserer Altvorderen und der Göttin Ostera zugeordnet.
Im Mittelalter erhielten sie noch zusätzlichen Oster-Bezug, weil sie (wie auch erlegte Hasen) häufig als Osterzins dienten, also Naturalabgaben an weltliche oder geistliche Herren waren.
Von dem sich in der vorösterlichen Fastenzeit aufgestauten Eierüberschuss machten die Leute zusätzlich gern auf folgende Weise Gebrauch: Die Eier wurden verziert, beim Oster-Gottesdienst geweiht und an die Kinder verschenkt.

Im Oster-Wald erwartet die Besucher neben einer Osternestsuche manchmal sogar der beliebte Eiertrudel-Wettstreit am Waldrand-Hang - ganz nach dem Motto Wär’ das Ei ein wenig eckig, ging’s den Hühnern ziemlich dreckig“.

Was man noch über Waldpädagogik & Ostern wissen sollte ...

Hier finden Sie

- waldpädagogische Oster-Termine.
- den Waldboten Meister Lampe“.
- das österliche Hasenquiz.
- eine Rasselbock-Ausstellung.

Klaus Radestock
Klaus.Radestock@gmx.de