Die Waldpädagogik sucht den Superbaum

zum Vergrößern klickenDas „Waldjahr“ 2011 verfolgt das u.a. Ziel, die Waldgesinnung der Leute zu fördern und stärkt damit auch den Bildungsraum-Wald-Gedanken.
Wir bekommen mit dieser weltweiten Kampagne also für unser waldpädagogisches Anliegen eine „Jahrhundert-Chance“, wie wir sie zu unseren Lebzeiten wohl nicht mehr kriegen werden.
Warum sollte man dabei öffentliche & politische Aufmerksamkeit nicht auch durch Aktionen erringen, wie es eine waldpädagogik-relevante „Fahndung nach dem Super(wald)baum“ wäre?

„Spitzenbaum-Waldpädagogik“ im Kielwasser menschlicher Rekordsucht geht

„Spitzenleistungen“ haben von jeher das große Interesse der Menschen gefunden - das beweist der Erfolg der Olympischen Spiele und anderer Wettbewerbe aller Art, die Attraktion des Guiness Buches der Rekorde ...

Bekanntlich sind die Leute auch von großen alten Bäumen fasziniert – je älter, dicker, höher oder skurriler, um so mehr.
Was die Baumgröße betrifft, so machen wir Märker uns das seit 11 Jahren zunutze:
Nachdem zunächst der höchste heimische Waldbewohner (also: Baum) überhaupt ermittelt wurde, rufen seit 2001 die brandenburgische Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und die Landesforstverwaltung zur öffentlichen „Spitzenbaum-Suche“ nach dem jeweils höchsten „Baum des Jahres“ in unserem Bundesland auf. Die größten Eschen, Wacholder, Schwarzerlen, Weißtannen, Rosskastanien, Schwarzpappeln, Sandkiefern, Walnussbäume, Bergahorne und Vogelkirschen wurden auf solche Weise schon ermittelt; die Feststellung der höchsten märkischen Elsbeeren steht jetzt unmittelbar bevor.

Das Besondere an diesen Baum-Aktivitäten: Die Initiatoren wenden sich bei ihren jährlichen „Fahndungsaufrufen“ immer auch an die Schulen und Pädagogen - u.a. hier heißt es hier dann: „Nutzen Sie diese Suchaktionen zu praxisnahem Unterricht, Projekt-, Ganztagsschul- oder schulische AG-Arbeit. Im „grünen Klassenzimmer“ kann Mathematik, Biologie, Geschichte, Erdkunde ... auf diese Weise zu einer für alle Seiten spannenderen und bleibenden Sache werden. Sprechen Sie dazu vertrauensvoll mit Ihren zuständigen Förstern „von nebenan“ und bitten Sie diese um entsprechende waldpädagogische Aktionen.“

Baumhöhen selbst ermitteln – jeder kann es tun

Was die Mathematik angeht, propagieren wir in dieser Sache für Lehrer, Erzieher, Schüler, Eltern ... insbesondere den Gedanken des „Försterdreiecks“ und teilen mit:
„Sie könnten sich bei Ihrem nächsten Waldspaziergang selbst einmal mit den Baumhöhen beschäftigen ... Dazu braucht es eigentlich nichts weiter als einen geraden Ast, Spazierstock oder (langen) Regenschirm, der als „Peilstab“ dient. Diesen Stock hält man mit ausgestrecktem Arm senkrecht nach oben so vor sich hin, dass die Faust in Augenhöhe liegt und die Stablänge genau der Entfernung Auge - Faust entspricht. Dann wird durch Vor- oder Zurückschreiten die Entfernung zum Baum so lange verändert, bis der angepeilte Baumwipfel in einer Linie mit der Stockspitze gesehen wird. In diesem Moment entspricht die - nun einfach auszuschreitende - Entfernung zum Baum auch dessen Höhe. Will man ganz genau sein, muss freilich noch die eigene Körpergröße hinzugezählt werden.“

Wie kann man jedoch aus solchen Brandenburger Erfahrungen eine waldpädagogikrelevante öffentlichkeitswirksame Baumhöhen-Aktion für ganz Deutschland oder gar Europa ableiten?

Hier dazu zwei Ideen:

1. Baumriesen-Ermittlung für Europa = ein „Waldjahr-2011-Knüller“

Lange Zeit hielt man eine 62.00 m hohe, im Kubany-Urwald des Böhmerwaldes (Tschechien) stockende Rotfichte für den „Baum-Europarekordler“.
Als im August 2008 unter großer öffentlicher Anteilnahme eine Douglasie im Stadtwald von Freiburg (Baden-Württemberg) mit 63,33 m festgestellt wurde, könnte damit der Böhmerwald-Riese „entthront“ worden sein. Oder vielleicht doch nicht? Denn: die glatten 62.00 m der Fichte deuten ja darauf hin, dass damals im Urwald noch nicht exakt laservermessen werden konnte. Und weitere europäische „Kandidaturen“ liegen nicht vor, soviel man auch „googelt“. Aber was ist z.B. mit den sattsam bekannten slowenischen Tannen-Recken am Südhang der Alpen? Immerhin werden ja Europas Tannen in Fachbüchern und Internet mit einer Maximalhöhe von 65 m „gehandelt“.

Für Europas Baumriesen-Rangtabelle gilt demnach derzeit: Nichts Genaues weiß man nicht!
Also: Lasst uns doch ganz einfach einmal auf die Suche nach dem höchsten Baum unseres Kontinents gehen. Wäre eine Beteiligung daran nicht (auch) eine schöne und noch dazu völkerverbindende Aufgabe für die waldpädagogisch Tätigen Deutschlands, ja sogar unseres ganzen Kontinents – gerade und besonders im „Jahr der Wälder“?

Inwiefern betrifft ein solches Vorhaben jedoch ganz besonders unsere Heimat? Ganz einfach: aller Wahrscheinlichkeit nach sind die Freiburger Bürger ja etwas, was man im Sport Titelverteidiger nennen würde. Sie könnten also mit gutem Recht einen entsprechenden und im „Waldjahr“ natürlich sehr imagefreundlichen sowie „forstpolitik-trächtigen“ Wettbewerb um den höchsten europäischen Baum starten.
Es wäre aber natürlich auch möglich, dass eine solche (dann Deutschland mit dem Freiburger Baumriesen vertretende) Aktion durch den Bundesverband der SDW ), die deutsche Waldkulturerbe-Kampagne , Baden-Württembergs Landesforstverwaltung ... gesteuert bzw. koordiniert wird.
Ebenso käme als Ausrufer einer „Wir-suchen-Europas-höchsten-Baum-Aktion“ das Waldpädagogik-Europanetzwerk in Frage. Und: natürlich könnten auch unsere tschechischen Freunde als „Titelverteidiger“ auftreten.
Wie wäre es mit einem entsprechenden Fahndungs-Aufruf schon zum Tag des Baumes am 25. April? Die Zeit drängt ...

2. Verstetigung ab 2012: Fahndung nach dem höchsten „Baum des Jahres“

So wie es in Brandenburg gelang, die „Baumfahndung“ zu verstetigen und zu einem forstpolitischen sowie waldpädagogischen Jahreshöhepunkt zu machen, in dem man nach erfolgter Feststellung des „Spitzenreiters über alle Arten“ auf die Suche nach dem jeweiligen höchsten „Baum des Jahres“ ging, könnte ab November 2011 (Aufrufzeit für das Folgejahr) auch in ganz Deutschland vorgegangen werden. Für die jeweilige Proklamation des „Siegers“ durch Schirmherren (oder -frau), die Ausrufenden, Wald-, Baum- und Holz-Profis, Politiker, Sponsoren ... eignete sich wiederum der Tag des Baumes am 25. April wunderbar.

Ein solcher Jahresaufruf könnte zum Beispiel durch das geplante deutsche Waldpädagogik-Forum, den SDW-Bundesverband, das Kuratorium „Baum des Jahres“ ... erfolgen.


Klaus Radestock
Klaus.Radestock@gmx.de

Zeichnung: Dr. K. Spichale