Der Waldbote

Es ist ein bewährtes Mittel der Waldpädagogik, interessierten Menschen jahreszeiten-bezogene Tipps zum erlebnishaften Walderleben mit allen Sinnen und damit einen Einblick in die überwältigende Fülle des "Bildungsguts Wald" zu geben. Solche Hinweise werden erfahrungsgemäß besonders dann gut angenommen, wenn sie nicht nur biologisches, sondern auch kulturgeschichtliches, philosophisches, politisches, psychologisches … Wissen enthalten.

Warum "Wald-Dolmetschen"?
Viele Forstleute und andere "Wald-Profis" wirken "authentisch" - sie haben in diesem Falle nicht nur soliden Waldboden unter ihren Füßen und Lebensweisheit im Kopf, sondern verfügen auch über Eigenschaften, die unsere Altvorderen einst "Herzensgüte" und "Seelenfrieden" nannten.

Sie vermögen es in diesem Falle bei ihrer waldpädagogischen Arbeit, auf den Erfahrungen der Vorfahren zu gründen und am Beispiel Wald & Forstwirtschaft konkrete praktische Vorschläge für jedermann machen, die ein sinnerfülltes Lebens in der Gegenwart erleichtern und in die Zukunft weisen.

Damit können "Waldmenschen“ anderen Mut und Kraft geben, und ganz besonders jungen Leuten helfen, "Wurzeln und Flügel“ (GOETHE) auszubilden.

Sollte es auf diese Weise heute vielleicht gar möglich sein, einige unserer Zeitgenossen zu befähigen, wieder mehr Verantwortung für sich selbst, ihre Mitmenschen, die nach uns Kommenden sowie "Mutter Erde" zu übernehmen?

"Waldbote" – was soll's?
Als Bote wird gemeinhin ein Nachrichten-Überbringer verstanden – er richtet einem Empfänger die Mitteilung eines Senders aus.

In den nunmehr vier Jahrzehnten meines forstlichen Berufslebens versuche ich, mit "Wald im Herzen, Feuer im Hintern und viel Sendungsbewusstsein" ein solcher Bote des Waldes für die Menschen zu sein. Auf die Frage, was denn nun die Botschaft des Waldes ist, die ich überbringen möchte, lautet meine stete Antwort: Nachhaltigkeit - langfristiges, ganzheitliches und am Gemeinwohl orientiertes "Denken in Generationen".

Schriftenreihe zum "Walderleben" für jedermann"
Seit meiner Tharandter Studienzeit in den frühen 1970-ern begnüge ich mich in dieser "Mittlerrolle zwischen Wald und Mensch" nicht mehr mit Worten & Waldgängen, sondern bringe meine Wald-Begeisterung auch in Form von "Handreichungen" zu Papier.

Zweimal gelang es schon, in der Folge aufgeschriebene "Waldtipps für jedermann" auch als Schriftenreihe zu fassen:

  1. 1982 bis 1986 erschienen in Kooperation mit der Naturschutzstation Frauensee und der Gesellschaft für Natur und Umwelt 22 Leporellos der Folge "Umweltschutzinformation".
  2. Ab 1991 wurde in Zusammenarbeit mit dem Märkischen Haus des Waldes und dem Regionalverband Dubrow e.V. der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) monatlich die Faltblattreihe "Waldbote" herausgegeben. Bis 2001 erschienen 121 Folgen dieser Tipps zum "Walderleben" für jedermann":

    1991: 1 Spuren im Schnee 2 Esche 3 Hausbäume 4 Dachbewohner 5 Eule 6 Eisvogel
    7 Baumriesen 8 Wintergäste 9 Eichelzeit 10 Laubprobleme 11 Weihnachtsbäume
    1992: 12 Waldkauz 13 Eichen-Ernte 14 Nashornkäfer 15 Frühlingserwachen 16 Fliegende Ameisen
    17 Lindenblüten 18 Grüne Wände 19 Alt wie ein Baum 20 Tierische
    Wetterpropheten 21 Bunter Herbst 22 Grüne Festtagssymbole 23 Mistel
    1993: 24 Robinienholz 25 Winterwanderung 26 Sonnung der Emsen 27 Wolf
    28 Hirschkäfer 29 Glühwürmchen 30 Mistkäfer 31 Libelle 32 Altweibersommer
    33 Stinkmorchel 34 Eichelhäher 35 Weihnachts-Holz
    1994: 36 Eichhörnchen 37 Rabe 38 Kröte 39 Eibe 40 Kuckuck 41 Sumpfschildkröte
    42 Ameisenlöwe 43 Hornisse 44 Fliegenpilz 45 Kastanienernte 46 Automarder
    47 Douglasie
    1995: 48 Spatz 49 Wildschwein 50 Ahorn 51 Hase 52 Nachtigall 53 Fledermaus
    54 Schnecke 55 Ziegenmelker 56 Haselnuss 57 Brennnessel 58 Krähe 59 Gans
    1996: 60 Specht 61 Lerche 62 Hummel 63 Hainbuche 64 Maikäfer 65 Kiebitz
    66 Frauenschuh 67 Hamster 68 Pilze 69 Marienkäfer 70 Vorratswirtschaft
    71 Tanne
    1997: 72 Eberesche 73 Maus 74 Wanze 75 Storch 76 Wildkatze 77 Frosch 78 Schwalbe
    79 Heuschrecke 80 Kreuzspinne 81 Kaninchen 82 Elster 83 Fichte
    1998: 84 Wildbirne 85 Fuchs 86 Buchfink 87 Buche 88 Bibergeil 89 Siebenschläfer
    90 Mücke 91 Kreuzotter 92 Kranich 93 Igel 94 Winterschlaf 95 Kiefer
    1999: 96 Weiden 97 Luchs 98 Fischotter 99 Florfliege 100 Birke 101 Dachs 102 Eidechse
    103 Baumeister Biber 104 Star 105 Efeu 106 Sperber 107 Kirschbaum
    2000: 108 Rabe 109 Wacholder 110 Natter 111 Lärche 112 Reh 113 Milan
    114 Grüne Wetterpropheten 115 Wespe 116 Hirsch 117 Tierisches Bauen 118 Ulme
    119 Schwan
    2001: 120 Elch 121 Meise

Waldboten-Bücher

Wiederum zweimal gelang es seitdem, bis dahin erschienene, mit einem "Waldkalender" eingeleitete Folgen der Faltblattreihe "Waldbote" in Buchform zu bündeln:

- 1998 und 1999 als Broschüren (Teil I und II) im Auftrag des Landes Brandenburg

- 2004 als Buch "Waldbote"; das war dann auch in den Buchhandlungen oder im Netz (z.B. unter www.amazon.de/Klaus-Radestocks-Waldbote-Radestock/dp/3930388340 bzw. www.bol.de/shop/home/suche/?sq=waldbote&sswg=ANY&submit.x=0&submit.y=0) erhältlich

Letztere, auch optisch recht ansehnliche Lektüre ist allerdings seit Ende 2008 vergriffen, und ich erhielt seitdem dazu viele Anfragen, bei denen ich leider nicht mehr abhelfen konnte. Umso mehr freut es mich, dass die Buchausgabe "Waldbote" nun eine 2. Auflage erlebt, die vom Berliner Hendrik Bäßler - Verlag zur diesjährigen Leipziger Buchmesse vorgestellt wird.

Unter www.baesslerverlag.de/bestellmoeglichkeitwaldbote.html kann man den neuen "Waldboten" zu sehr günstigen Bedingungen vorbestellen.

Waldboten-Reihe – wie geht es weiter?
Nach zehnjähriger Pause kann die Waldbotenreihe im "Waldjahr" 2011 endlich fortgesetzt werden. Es ist vorgesehen, sie künftig noch etwas philosophischer, psychologischer, kulturgeschichtlicher, politischer ... werden; der Mensch-Gehalt wird zunehmen, ohne dass deshalb der Wald-Gehalt an Tiefe verlieren soll.

Ich wünsche mir weiterhin treue Leser und viel spannende Diskussionen!

Klaus Radestock
Netz-Post info@waldpaedagogik.org