Ferien im Wald

KinderGetreu dem Motto „Wald macht Schule“ versteht sich die waldbezogene Umweltbildung mit der Mehrzahl ihrer Kategorien als „Juniorpartner“ des Bildungswesens.
So sehr sie deshalb jedoch unterrichtsergänzend ausgerichtet ist: die meisten waldpädagogischen Einrichtungen, aber auch viele Forstämter, Förster, SDW-Mitglieder ... nutzen deutschlandweit ihre Kapazitäten in den schulfreien Tagen mehr und mehr auch für das Waldferien-Angebot.

Waldferien - ein Waldpädagogik-Kategorie mit Tradition

Als Schulferien (von lateinisch feriae = Festtage) wird ein mehrere Tage dauernder Zeitraum bezeichnet, in dem Schüler zum Zwecke der Erholung vom Unterricht befreit sind. Finden an solchen schulfreien Tagen mehrstündige bis mehrtägige waldpädagogische Angebote für Schüler oder Familien statt, können wir das mit dem Begriff Waldferien benennen.

Es hat diese Kopplung von Waldpädagogik und Schulferien immer gegeben, seit waldbezogene Umweltbildung stattfindet. Derzeit sind Waldferien in Deutschland jedoch auch insofern „Trend“, als die waldpädagogischen Angebote seit den 1990-ern und neuerdings im Rahmen ihrer Orientierung an der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) immer „professioneller“ werden: Den Schwerpunkt setzen vielerorts nicht mehr die integrierten, gleichsam im „Kielwasser“ forstlicher Tätigkeit offerierten Aktivitäten wie Försterwanderungen, Jugendwaldeinsätze, Waldprojekttage, Waldjugendspiele ..., sondern die an speziellen waldpädagogischen Einrichtungen wie Jugendwaldheimen, Waldschulheimen, Waldschulen und anderen „Grünen Lernorten“ tätigen „Waldpädagogik-Spezialisten“. Und wenn die nicht (noch) Kinder und also in den Schulferien selbst frei haben, machen sie natürlich auch ganzjährige Angebote.
Eine Zeit wie die der Ferien, in der für viele Menschen „Urlaub vom ich“ und deshalb (speziell für die Städter) „Natur pur“ angesagt ist, darf da nicht ausgespart bleiben. Das gilt umso mehr, als der Bedarf riesig ist, denn: Jeder dritte Deutsche macht Urlaub im eigenen Land – mit zunehmender Tendenz. Die Heimat, unsere Städte und Dörfer, Wälder und Seen ..., ist mit einem wachsenden Marktanteil des Deutschen liebstes Ferienziel!

Waldferien – das ist ein Sammelbegriff für Waldferienwochen, Waldferientage, Waldferienspiele, Walderlebnis-Camps, Waldabenteuer-Tage ...
Sie bewährten sich im Jahreslauf schon zu fast jeder Ferienzeit. Jedoch: die schulfreien Tage um Weihnachten und Sylvester bleiben bislang aus naheliegenden Gründen „waldferienfrei“: einmal als „stille Zeit“, in der die Familien sich traditionell um den im Wohnzimmer geschmückten Baum sammeln, zum anderen, weil die feucht-fröhlich & laut-krachende Begrüßung des neuen Jahres sich bisher (gottlob!) auf Ortschaften, Gasthäuser und Wohnungen beschränkte.

Jahreszeitenbedingt setzen die „Macher“ für die Waldferien jeweils unterschiedliche Schwerpunkte:

Winter-Wald

Anlässlich von den winterlichen Waldferien-Angeboten stehen bei Waldgängen, -projekten, -rallyes oder
-einsätzen
Themen im Vordergrund, die mit der Nutzung des „weißen Leithundes“, also der bei Schnee vorhandenen Spuren und Fährten zu tun hat: Niemals sonst kann man die Fülle tierischen Waldlebens besser erkunden!
Man vermag nun auch gut auf tierische Wintergäste“ wieSeidenschwanz, Bergfink, Tannenhäher, Reiherente, Gimpel oder Gänsesäger sowie „Winterpilze“ wie Austernseitling, Frostschneckling, Samtfußrübling ... aufmerksam zu machen.
Der winterliche Holzeinschlag erlaubt zahlreiche Lehr-Impulse für die Waldarbeit und den Rohstoff Holz, die Samenernte an Kiefer, Fichte, Lärche, Esche und Hainbuche, die Baumhöhen und -alter, den Waldvorrat, die Waldinventur oder die Nachhaltigkeit.
Angesichts kahler Laubbäume kann über Waldästhetik gesprochen, Pflanzenbestimmung geübt oder Wohl und Wehe des Wintersports im Wald thematisiert werden. Dabei dürfen auch Hinweise auf Gefahren nicht fehlen, die dem Wald und auch dem Waldbesucher jetzt drohen können.
Sind die Nasen, Zehen und Finger blau gefroren, bietet sich in der Waldschule oder Waldwerkstatt das Basteln mit Naturmaterialien, der Vogelhaus-Bau (der nächste Frühling kommt bestimmt!) oder gar ein „Waldfasching“ an.

Ostern im Wald

Zu den österlichen Waldferien spielt traditionell alles eine Rolle, was die Verbindung zwischen Wald, Ostern und christlichem Glauben knüpft, aber auch all das mit Hasen, Eiern und dem spannenden österlichen Suchen verbundene: Osternestsuche, Eiertrudeln, „Rasselbock-Fahndung“ ...
Es ist jedoch auch die Zeit, von der Goethe einst dichtete:
„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
durch des Frühlings holden belebenden Blick,
im Tale grünet Hoffnungsglück ...“:

Wo so viel Hoffnung grünt, haben Waldpädagogik-Anbieter natürlich die große Chance, mit Frühlingswald-Wanderungen und waldpädagogischen Aktionen aller Art auf das „Walderwachen“ einzugehen, die Farben des Waldes und „Doktor Wald als Seelenklempner“ zu thematisieren, an Douglasie, Eibe, Lärche, Birke, Wacholder, Sanddorn, Holunder Scharbockskraut, Taubnessel, Ehrenpreis, Spitzwegerich oder Schöllkraut auf die Blütezeit des Waldes zu verweisen, an Ulme, Wildapfel, Wildbirne, Erle, Hasel, Rotbuche, Ahorn oder Weide erstes frisches Grün zu zeigen und zu erläutern, mit Früh-Lorchel oder Frühlings-Knollenblätterpilz frühe Waldpilze vorzustellen ...
Was die Fauna betrifft: es gilt die Zugvogelankunft für Hausrotschwanz, Heidelerche, Ringeltaube, Rotkehlchen, Drossel, Kiebitz, Rohrdommel, Kranich oder Graugans zu feiern, sich über die wieder auftauchenden Insekten wie Hummel, Tagpfauenauge, Mistkäfer, Feuerwanze oder Zitronenfalter zu freuen und der Sonnung der Roten Waldameisen beizuwohnen, die ersten Kriechtiere wie Zauneidechse, Ringelnatter oder Blindschleiche zu begrüßen, das Laichen der Lurche wie Grasfrosch, Kreuzkröte, Teichmolch, Moorfrosch oder Knoblauchkröte anzumerken ...
Warum nun mit den Waldbesuchern aber nicht auch einen gemeinsamen „Oster-Wald“ pflanzen, Nistkastenreviere anlegen, Benjeshecken bauen ...?
Wichtig auch der Hinweis: schon jetzt droht Waldbrandgefahr!

Wald-Pfingsten

Auch in dieser Ferienzeit kann mit Waldgängen oder - projekten die Verbindung zwischen Wald und Christentum thematisiert werden.
An Sommerlinde, Waldrebe, Schneebeere, Liguster, Traubeneiche, Akelei, Tollkirsche, Ehrenpreis, Glockenblume, Baldrian, Wintergrün, Maiglöckchen, Preiselbeere, Walderdbeere, Waldmeister, Heidelbeere, Hahnenfuß, Weißtanne, Stieleiche, Rotbuche, Weißdorn, Robinie, Besenginster, Kiefer, Schlehe, Pfaffenhütchen, Fichte, Eberesche, Ahorn oder Faulbaum vermag man nun „blühenden Wald“ zu bestaunen.
Es bieten sich mit Federmaus- oder Glühwürmchen-Beobachtungen „Wald unter Sternen“ - Projekte an.
Man kann mit
Nachtigall oder Sprosser, Kiebitz, Rebhuhn, Pirol, Stieglitz, Grasmücken, Meise, Bachstelze oder Rauchschwalbe Vogelbruten sowie -gesang aufzeigen und über Vogelschutz reden, dem Geheimnis dergeflügelten“ Ameisen nachspüren ...

Im Sommerwald

Die Sommerferien sind in allen Bundesländern die weitaus längsten. Sie lassen, umso mehr es nun draußen warm ist, Zeit für fast alles, was an waldpädagogischen Themen und Methoden angeboten werden kann – auch für das umfassenden „Abenteuer Wald“.
Bei Försterwanderungen, Waldrallyes, Waldprojekten oder Jugendwaldeinsätzen im hochsommerlichen Wald sollte natürlich immer auch der Waldbrandschutz thematisiert werden; es ist dies jedoch vor allem die Zeit, an Blaubeere, Brombeere, Himbeere ... „Wald schmeckt“ zu demonstrieren und mit dem Verweis auf blühende Kräuter wie Hopfen, Hasenklee, Weiderich, Tausendgüldenkraut, Goldrute, Rainfarn, Ackerkratzdistel, Springkraut, Helmkraut, Stacheldistel, Weidenröschen, Fingerhut, Königskerze oder Glockenblume erneut die „Praxis Doktor Wald“ zu thematisieren.

„Bunt sind schon die Wälder

In der Zeit der Herbstferien bietet es sich gleichermaßen an, den Wald als „Speisekammer“ zu betrachten - diesmal vor allem zum beliebten Thema Pilze.
Aber auch „Farben im Wald“ sowie „Jagd“ hat nun natürlich Konjektur, ebenso alles Geschehen rund um „Wald geht schlafen“, also die vielfältigen Herbst- und Winterstrategien unserer heimischen Tierwelt (Winterschlaf, Winterruhe, Winterstarre) sowie Wildpflanzen.
Zahlreiche Sammel-Aktionen rund um „Waldfrüchte“ von Eiche, Rosskastanie, Robinie, Douglasie, Eberesche, Hainbuche, Rotbuche, Hasel ... bieten sich nun an, aber auch waldpädagogische Waldsaat- bzw. Pflanz-Aktivitäten oder das gemeinsame „Waldfegen“, die „Rosskastanien-Laubsammelaktion“ gegen die gefürchtete Miniermotte.

Übrigens:

  • Mit Blick in Treffpunkt Wald sowie die Internetseiten der einzelnen Bundesländer (und waldpädagogischen Einrichtungen) kann man feststellen: Waldferien gibt es derzeit u.a. in Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, NRW, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, aber auch in der Schweiz (Beispiel) und Österreich (Beispiel).
    Über besonders umfangreiche Waldferien-Angebote verfügen Rheinland-Pfalz sowie Brandenburg.
  • Im Angebotskapitel der Naturlehrmittelbörse kann man in Sachen Waldferien unter 2.6. zahlreiche Anregungen erhalten.
  • Zusätzlich zu Treffpunkt Wald erscheinen Waldferien-Angebote im „Waldjahr 2011“ zusätzlich auch unter „Waldkulturerbe“.

Klaus Radestock
Klaus.radestock@affwu.brandenburg.de