Waldpädagogik in Brandenburg: Entwicklung, Stand und Ausblick

Die Neustrukturierung der traditionsreichen brandenburgischen waldpädagogischen Arbeit im Rahmen des jungen Landesbetriebs Forst Brandenburg macht es derzeit notwendig, einmal Rückschau auf die „Wurzeln“ und das in fast zwei Jahrzehnten Geschaffene vorzunehmen, den erreichten Stand zu bilanzieren und auf dieser Basis einen Blick voraus auf die zukünftigen Aufgaben zu nehmen.

1. Entwicklung

Bis zum 19. Jahrhundert

Begreift man die Waldpädagogik als waldbezogene Bildung für Nachhaltigkeit, so erschließen sich uns die europäischen Ursprünge der naturbezogenen „Lehre vom Denken in Generationen“ bereits aus der Zeit der alten Römer. In seinem Werk „De senectute“ („Über das Alter“) beispielsweise bemerkt der römische Philosoph und Redner Cicero im Jahre 44 v.u.Z. „Er pflanzt Bäume, die erst der Nachwelt nützen“ und kommentiert dazu: „Ja, jeder Landmann darf, wenn er auch noch so alt ist, auf die Frage, für wen er pflanze, ohne Bedenken antworten: Für die unsterblichen Götter, deren Wille es war, dass ich diese Güter nicht nur von den Vorfahren ererben, sondern auch meinen Nachkommen überliefern sollte.“

Den Nachhaltigkeitsbegriff selbst und seine Anwendung für die Menschen können wir auf den sächsischen Oberberghauptmann Carlowitz zurückführen, der ihn 1713 in seinem Werk „Sylvicultura Oeconomica“ erstmals formuliert. Auf dieser Begrifflichkeit baut die Nachhaltigkeitslehre forstlicher Klassiker des frühen 19. Jahrhunderts wie Hartig (1811), Cotta (1817), Pfeil (1821), König (1849) ... auf, mit der die Wiederbewaldung Mitteleuropas gelingt. Sie richten ihre Botschaft allerdings zunächst vor allem an die forstliche Fachwelt und Studentenschaft sowie Politik und Wirtschaft.

1862 schreibt der Forstwissenschaftler Landolt in seinem Bericht über den Zustand des Bergwaldes an den Schweizer Bundesrat erstmals etwas an alle Menschen Gerichtetes: Diese Maßnahmen erfordern eine Belehrung des Volkes über seine wahren forstlichen Interessen durch Wort und Beispiel. So würden wir heute gewiss nicht mehr formulieren, aber: war das die Geburtsstunde der Waldpädagogik?

20. Jahrhundert bis zu den 1980-ern

In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts, speziell aber ab den 1920-ern, entwickeln sich in Deutschland (und natürlich auch auf dem Gebiet des heutigen Brandenburg) nach und nach zahlreiche waldbezogene & nachhaltigkeitsorientierte Bildungs-Angebote wie Wald- / Forstmuseum, Waldlehrpfad, Jugendwaldeinsatz und Försterwanderung.

Zu Beginn der 1930-er erscheinen die Lebenserinnerungen des brandenburgischen Schorfheide-Försters Sieber; sie werden 1952 von Welk als ungemein lebensfrohes Buch „Tiere, Wälder, junge Menschen“ neu herausgegeben. Diese Schilderungen lesen sich wie eine Anleitung zur Waldpädagogik und nehmen Angebotsformen wie Forst-AG, Waldrallye oder Waldprojekttag vorweg. Generationen von Förstern, die nicht nur den „Wald im Herzen“ tragen, sondern auch „Sendungsbewusstsein“ entwickelt haben und als „Botschafter für Nachhaltigkeit“ all das Schöne ihrer eigenen Berufung an andere Menschen weitergeben wollen, erhalten hier entscheidende Impulse.

Nach dem 2. Weltkrieg kommen speziell in der Bundesrepublik Deutschland waldpädagogische Kategorien wie Schulwald und Waldjugendspiele hinzu. Die Angebotsform Jugendwaldheim geht auf die 1946 einsetzenden Versuche der Forstverwaltungen zurück, die Jugend zu umfassenden Pflanzarbeiten heranzuziehen, die nach den Reparationshieben und Borkenkäferkatastrophen der Nachkriegszeit anstehen. Stets geht es auch hierbei darum, die forstliche Nachhaltigkeitsidee praktisch zu vermitteln. Ein von Bertsch 1947 herausgegebenes Werk „Der Wald als Lebensgemeinschaft“ ist wie ein Schulbuch geschrieben und erleichtert es vielen Biologielehrern in den 1950-ern, damit Unterricht zu machen.

Zur gleichen Zeit berichten Förster an der Lehrerfortbildungs-Akademie Calw (Baden-Württemberg) über ihre Arbeit. Ihr Ziel ist die sachgerechte Berücksichtigung der nachhaltigen Waldwirtschaft im Lehrplan Ausschließlich in der Deutschen Demokratischen Republik entstehen waldpädagogische Angebotsformen wie Waldlehrkabinett und forstliche Schüler-Arbeitsgemeinschaft (Schüler-AG’s).
Zwei brandenburgische Beispiele dafür frühe waldpädagogische „Einrichtungs-Initiativen“: Das Waldmuseum Stendenitz wird 1936, das Waldlehrkabinett Frauensee (ab 1981: Naturschutzstation Frauensee, ab1991: Märkisches Haus des Waldes) in Gräbendorf 1978 eröffnet.

1950 wendet der als Begründer der „Weltforstwirtschaft“ geltende Forstmann Heske in seinem Buch „Besitz und Verpflichtung. Ein Beitrag der Waldwirtschaft zur sozialökonomischen Problematik unserer Zeit“ den Nachhaltigkeitsbegriff erstmals auch auf „außerforstliche“ Lebensbereiche an. Er ist damit der eigentliche Schöpfer des dann 1972 durch den Club of Rome mit seiner Studie „Grenzen des Wachstums“ sowie in den 1990-ern auch durch die Weltpolitik aufgenommenen Gedankens einer allgemeinen nachhaltigen Entwicklung und Lebensweise, der Nachhaltigkeitswissenschaft sowie der entsprechenden Bildungsbestrebungen.


1986

Es wird in einer durch die Stiftung Wald in Not sowie die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) organisierten Veranstaltung Verständnis für ökologische Zusammenhänge schon in den Schulen wecken - Tagung Waldpädagogik der Waldpädagogik-Begriff zum ersten Mal erwähnt.

Im Züricher Sihlwald wird die erste Waldschule gegründet; dabei werden auch erste Grundlagen einer „Waldpädagogik-Philosophie“ geschaffen.

Seit Ende der 1980-er machen Schmidthüsen und Duhr von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich die Waldpädagogik auch zum Thema der Forstpolitikwissenschaft.

1990

Mit der politischen Wende nimmt das, was später auch im Märkischen als Waldpädagogik bezeichnet werden sollte, auf dem Territorium des späteren Bundeslandes Brandenburg einen spürbaren Aufschwung. Schon kurz nach dem „Mauerfall“ - ab Dezember 1989 - beginnen an der Thematik interessierte Forstleute einen Informationsaustausch mit „westlichen“ Kollegen. Sie wollen erfahren, wie die Vermittlung zwischen Mensch und Wald bzw. zwischen Gesellschaft und Forstwirtschaft unter ganz anderen gesellschaftlichen Bedingungen funktioniert, dabei aber auch vielfältige „Ost-Erfahrungen“ verständlich machen.

Ihr Weg führt die Märker zunächst zu Kollegen in Berlin (West), Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg … In der Schweiz stoßen sie beim Besuch der Züricher Waldschulen und der ETH Zürich erstmals auch auf den neuen Begriff und das Konzept Waldpädagogik.
Überall nimmt man die Reisenden in Sachen Waldpädagogik herzlich auf; bald finden erste Gegenbesuche statt. Es entwickelt sich von da ab die Tradition der jährlichen brandenburgischen bilateralen waldpädagogischen Erfahrungsaustausche auf Länder- und Staatenebene.

In Müllrose entsteht das erste Jugendwaldheim der (Noch-)DDR.

An der Gräbendorfer Naturschutzstation Frauensee (später: Märkisches Haus des Waldes) wird zum Tag der deutschen Wiedervereinigung die erste Waldschule der neuen deutschen Bundesländer eröffnet - der kurz zuvor gegründete Regionalverband Dubrow der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) wird „Vereinspartner“.

1991

Es wird versucht, das zu den Möglichkeiten und Grenzen der Waldpädagogik in Teilen des deutschen Sprachraums Gesehene, Gehörte und Erlebte mit den in der Heimat gewonnenen Erkenntnissen unter einen Hut zu bringen - ein gesamt-brandenburgisches Landeskonzept Waldpädagogik soll reifen.

Das erste brandenburgische Waldgesetz unterlegt diese Bemühungen, indem es die Forstleute beauftragt, die Bürger von nun an über die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes aufzuklären.

Die Naturschutzstation Frauensee wird zur Waldpädagogik-Einrichtung Märkisches Haus des Waldes;
ein gleichnamiger Förderverein bildet sich für diese Stätte.

Die brandenburgische SDW wird gegründet und bekennt sich in ihrer Satzung u.a. zur „forstlichen Bildungsarbeit“.

Die waldpädagogische fachliche Schriftenreihe „Waldbote“ wird (als Nachfolger der DDR-Reihe „Umweltschutz-informationen“ der Naturschutzstation Frauensee) am Märkischen Haus des Waldes gestartet. Ebenso entsteht hier der „Informationsdienst Wald“ als monatlicher (heute: jahreszeitlicher) „Nachrichtendienst“ mit Schwerpunkt Waldpädagogik.

Die ersten waldpädagogik-relevant tätigen Zivildienstleistenden werden eingesetzt.

1992

Ein erstes brandenburgisches „Gedankengebäude Waldpädagogik“ wird entworfen (und in der Folge ständig weiterentwickelt), ein Thesenpapier „Forstliche Dienstaufgabe Waldpädagogik“ vorgelegt.

In Sachen waldpädagogischer Theorieentwicklung gibt es erste Kontakte zu Forstpolitikern, Pädagogen, Psychologen und Soziologen.

Im Rahmen der Anpassungsfortbildung der brandenburgischen Forstbediensteten, bei der auch Waldpädagogik eintägig als Schulungsthema verankert werden kann, gelingt es, die Lebens- und Berufserfahrung, Meinungen und Kritiken hunderter Förster in die Konzept-Bearbeitung einzubeziehen. Dazu tragen auch entsprechende Fach- und Akzeptanzbefragungen bei.

Die waldpädagogische Fortbildung ist von diesem Zeitpunkt an fester Bestandteil des jungen forstlichen Fachgebiets; es werden seither im Jahresdurchschnitt 8 – 15 Weiterbildungen für Forstleute durchgeführt und in der Folge auch für Lehrer, Erzieher und andere „Multiplikatoren“ angeboten.

Der Züricher Stadtforstmeister Speich, „Vater der Sihlwaldschule“, wird nach Brandenburg eingeladen.
Er besucht das Landesforstamt und „infiziert“ (auch) die „Chefetage“ mit dem „Waldpädagogik-Virus“.

Die Waldschule Potsdam-Wildpark erhält eine Lehrer-Abordnung – damit wird u.a. ein frühes „Förster-Lehrer-Tandem“ gebildet. In der Folge werden hier die ersten Waldprojekttage speziell für Schüler der Sekundarstufe II / Gymnasiasten durchgeführt

Die gezäunte Umgebung des Märkischen Hauses des Waldes wird als früher Waldlehrgarten eingerichtet.

1993

Ausgelöst durch die Impulse der Anpassungsfortbildung und in dem Bestreben, jedem brandenburgischen Forstbediensteten die Teilnahme an der geplanten Dienstaufgabe Waldpädagogik zu ermöglichen, steigt seit 1993 die Zahl der waldpädagogischen Angebotsformen (Kategorien) stark an: Waldlehrpfade, Forstmuseen / Waldlehrkabinette, Jugendwaldeinsätze, Försterwanderungen und forstliche Schüler-AG’s hatte es schon vor der politischen Wende gegeben; bereits 1990 waren ein Jugendwaldheim und eine Waldschule, 1991 ein Haus des Waldes eröffnet bzw. unter diesen Bezeichnungen wiedereröffnet worden.

Nun und in den Folgejahren bilden sich auch Einrichtungs-Kategorien wie Waldschulheim, Rucksack-Waldschule, Waldwerkstatt, Schulwald, Waldtheater, Walderlebniswelt, Grüner Lernort, Waldmobil … oder Aktivitäten-Kategorien wie Waldjugendspiele, Waldrallye, Waldprojekttag, Familienwaldtag, Walderlebnistag, Multiplikatoren-Seminar, forstliche Kindergartenbetreuung, Forst-AG, forstliche Ganztagsschulbetreuung … heraus. Im Rahmen dieser Angebotsformen entwickeln sich in den Folgejahren nach und nach ca. über 400 „gute Adressen“ brandenburgischer Waldpädagogik.

Frühe Ausstellungen, Vorträge und Faltblätter zur Waldpädagogik entstehen. Ein erster brandenburgischer „Waldschul-Stand“ wird zur Grünen Woche in Berlin sowie zur Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung (BRALA) in Paaren betrieben.

Drei brandenburgische Minister (Umwelt, Landwirtschaft und Bildung) besuchen das Märkische Haus des Waldes sowie das Jugendwaldheim – Waldpädagogik wird nach und nach gesellschafts- und „politikfähig“.

An der Waldschule „Am Rogge-Busch“ in Müllrose wird mit dem Igelpfad der Grundstein für die Idee der Walderlebniswelt gelegt.

Für die brandenburgische Waldpädagogik wird konsequente Themenorientierung und einrichtungsbezogene Profilierung empfohlen.

Der brandenburgische SDW-Arbeitskreis „Wald & Bildung“ wird gegründet und legt ein Konzept vor.

1994

Erste Praxisbetreuungen waldpädagogischer Diplomarbeiten und studentischer Praktika sowie einschlägige Vorlesungen an der Fachhochschule Eberswalde finden statt.

Das waldpädagogik-relevante Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) startet; der Förderverein des Märkischen Hauses des Waldes wird FÖJ-Träger.

An der Waldschule „Am Rogge-Busch“ wird die Waldtheater-Idee geboren.

Ein erster „Waldschulverein“ entsteht als Träger der Lübbener Waldschule „Zum Specht“.

Am Märkischen Haus des Waldes wird das erste brandenburgische Waldmobil eingeweiht – „Patin“ ist die brandenburgische Sozialministerin Hildebrand.

1995

Seit dem 1. Mai 1995 „steht“ das brandenburgische Waldpädagogik-Landeskonzept, gilt die Dienstanweisung zur Wahrnehmung der waldpädagogischen Aufgaben durch die Landesforstverwaltung Brandenburg. Sie regelt Grundlagen, Zuständigkeiten, Ziele, Gegenstand, Grundsätze, Organisationsformen, Kooperationen, Finanzierung und Berichterstattung der jungen forstlichen Dienstaufgabe. In zwei Anlagen werden waldpädagogische Organisationsformen (Kategorien) sowie Zielgruppen definiert.

Das Märkische Haus des Waldes wird formell als brandenburgisches Waldpädagogik-Zentrum bestätigt.

Es beginnen die jährlichen brandenburgischen Patenförster-Ehrungen verdienter waldpädagogisch Tätiger.

Die ersten waldpädagogischen „Ämterbereisungen“ und Dienstberatungen der in den Ämtern für Forstwirtschaft einschlägig Zuständigen finden statt.

Der brandenburgische Landes-Arbeitskreis Waldpädagogik wird begründet.

Eine „Waldschul-Philosophie“ entsteht an der Waldschule „Am Rogge-Busch“.

Die waldpädagogische Schriftenreihe „WaldLernen“ startet am Märkischen Haus des Waldes.


Weitere brandenburgische „Erstlinge“ sind in diesem Jahr u.a. folgende Ereignisse: An der Waldschule Pausin finden Waldjugendspiele statt, in Hirschfelde entsteht eine Rucksackwaldschule; in Groß Schönebeck wird eine forstliche Kindergartenbetreuung, an der Wald-Naturschutz-Wacht Hainholz eine Waldwerkstatt , an der Waldschule Reiersdorf ein Schulwald eingerichtet …

1996

Es wird eine am Märkischen Haus des Waldes tätige Waldpädagogik-Beauftragte des brandenburgischen Bildungsministeriums eingesetzt, die sich vor allem der Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Förstern und der Entwicklung des partnerschaftlichen Konzepts „Wald macht Schule“ widmet.

Das Waldschulheim Karnzow entsteht als erste brandenburgische Einrichtung dieser Kategorie.

1997

Die brandenburgische „Naturlehrmittelbörse“, eine Sammlung waldpädagogischer Lehr- und Lernmittel, wird angelegt, auch eine Übersicht zu „Waldpädagogik und Wissenschaft“ entsteht.

An der Waldschule „Am Rogge-Busch“ werden die waldpädagogische Schriftenreihe „Die mit dem Wald leben“ und das „Waldbuch Grünli“ begründet.

Ein Abenteuer-Wald-Konzept entsteht an der Waldschule Gadow.

Ein einwöchiges waldpädagogisches Praktikum für Forststudenten der Technischen Universität (TU) Dresden findet (bis 2002) jährlich am Märkischen Haus des Waldes statt.

1998

Eine brandenburgweite waldpädagogische Jahresstatistik wird begonnen und damit seitdem festgestellt: Alljährlich besuchen ca. 170.000 Menschen (Brandenburger und ihre Gäste) die etwa 7.000 Veranstaltungen aller Kategorien der Waldpädagogik.

Frühe Erfolgskontrollen zum Messen des Wohlfühl-, Bildungs- und Erziehungseffekts waldpädagogischer Veranstaltungen finden statt.

Ein erster „Waldpädagogik-Jahreskalender“ mit einem Überblick öffentlichkeitswirksamer (für alle zugänglicher, nicht an eine angemeldete Schülergruppe gebundener) Veranstaltungen erscheint:
Es werden seitdem im Jahresdurchschnitt ca. 300 solcher, auch zum Gegenstand der Pressearbeit gemachten, Aktivitäten gezählt.

1999

Aus Anlass einer waldpädagogischen Definitions- und Ziele-Debatte führt Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck, damals noch Umweltminister, anlässlich eines Besuchs im Märkischen Haus des Waldes das Stichwort „Herzensbildung“ in die Debatte ein. Dieser Anregung wird u.a. mit einer neuen Zielformulierung gefolgt: Leitziele der Waldpädagogik sind ein gutes Mensch-Wald-Verständnis, ein gutes Mensch-Mensch-Verhältnis sowie verantwortungsbewusst handelnde Menschen. Waldpädagogik ist damit ein Erfolg versprechender Vorschlag der Forstleute und anderer „Waldkenner“, die heute oft beklagte dreifache Entfremdung der Menschen - von der Natur, von den Mitmenschen und von sich selbst - zu überwinden.

Das nimmt vorweg, was später im Rahmen der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) mit den Ziel-Begriffen Naturkompetenz, sozialer Kompetenz und Selbstkompetenz bezeichnet werden wird.

2000


Die Vernetzung der brandenburgischen Waldpädagogik wird durch die Internetseite www.waldpaedagogik.info verstärkt. Auch das Waldpädagogik-Zentrum erhält mit www.haus-des-waldes.info eine eigene Netzseite.

Die erste zentrale Waldjugendspiele-Woche vor den großen Ferien wird gestartet – sie entwickelt sich zum Jahreshöhepunkt brandenburgischer Waldpädagogik, stärkt das „Förster-Lehrer-Bündnis“ und trägt zur “Politikfähigkeit“ der Waldpädagogik bei.


Die Waldschule Grünaue bietet erstmals planmäßig Waldferien an.

An der Waldschule „Am Rogge-Busch“ findet die erste internationale Waldtheater-Tagung statt. Sie ist Ausgangspunkt für den Aufbau eines europäischen Waldtheater-Netzwerks, dem inzwischen 16 derartige Einrichtungen in 3 Staaten angehören.

Die erste Walderlebniswelt wird am Märkischen Haus des Waldes eröffnet - sie thematisiert den Hirschkäfer als „Wappentier“ der Einrichtung.

2001

Es wird zur Intensivierung der Praxisbetreuungen einschlägiger wissenschaftlicher Arbeiten eine „Diplomarbeitsbörse“ im Rahmen der waldpädagogischen Wissenschaftsrubrik angelegt.

Aus Anlass des Tag-des-Waldes-Mottos „Wald und Gesundheit“ wird die waldpädagogische Kernbotschaft Doktor-Wald begründet und am Märkischen Haus des Waldes mit dem Konzept einer „Praxis. Dr. Wald“ weiterentwickelt.

2002

In der forstpolitikwissenschaftlichen Diskussion fasst Köpf (TU Dresden) - auch auf der Grundlage brandenburgischer Erfahrungen - in seinem Buch „Forstpolitik“ die Waldpädagogik in Abgrenzung zur forstlichen Öffentlichkeitsarbeit eindeutig als Bildungsauftrag und plädiert dafür, dass sich die Forstleute dieser Aufgabe nicht verschließen.

Ein Konzept zur Einbeziehung forstlicher „Unruheständler“ in die Waldpädagogik.


2003

Brandenburgische Forstleute sind maßgeblich an der Gründung eines waldpädagogischen Netzwerks im deutschen Sprachraum (www.waldpaedagogik.org) unter Leitung des Bundes Deutscher Forstleute (BDF) sowie an der des Europa-Netzwerks Waldpädagogik (www.forestpedagogics.eu) beteiligt. Die Internetseiten und Infobriefe beider Gremien werden seitdem am Märkischen Haus des Waldes betreut.

An der Rucksackwaldschule Baruth werden die Waldrallyes als „kleine Schwestern der Waldjugendspiele“ entwickelt.

2004

Das neue brandenburgische Waldgesetz gibt der Waldpädagogik weiteren Rückhalt: Der Bildungs-Auftrag an die Forstleute wird nun auch mit diesem Begriff gefasst, im Gesetzeszweck erscheint der Wald als Bildungsraum. Erstmals in Europa spricht man nun auf gesetzlicher Grundlage von Nutz-, Schutz-, Erholungs- und Bildungsfunktionen des Waldes.


Die Waldschule Eberswalde hat sich zum Wald-Solar-Heim weiterentwickelt – damit ist an forsthistorischem Ort ein modernes, zu ausgewählten forstpolitikrelevanten Themen profiliertes Waldschulheim neuen Typus entstanden.

2005

Die brandenburgische Waldpädagogik wird fortan produktbezogen organisiert.

Die erste forstliche Ganztagsschulbetreuung wird in Halbe aufgenommen.

Die Rucksackwaldschule Baruth entwickelt sich zur Walderlebniswelt mit der Spezialisierung auf das Leitthema Holz und profiliert sich zur waldpädagogischen Kernbotschaft Nachhaltigkeit.

2006

Brandenburgs Waldpädagogen gestalten den in Ungarn stattfindenden ersten internationalen Waldpädagogik-Kongress mit.

Der BDF formuliert auf der Basis des brandenburgischen „Waldpädagogik-Gedankengebäudes“ ein waldpädagogisches Positionspapier auf Bundesebene.

Der Infobrief „Waldpädagogik aktuell“ erscheinet zweimonatlich (heute: jahreszeitlich) am Märkischen Haus des Waldes.

Die seit 1995 vorliegenden Grundsätze brandenburgischer Waldpädagogik werden stärker an die BNE-Prinzipien sowie am forstlichen Nachhaltigkeits-Verstand angelehnt und neu gefasst.

Die Waldschule „Am Rogge-Busch“ führt in Frankfurt / O zum ersten Mal waldbezogene eine „Kinder-Uni“ durch.

Der Templiner Schulwald wird als erste waldbezogene „Schülerfirma“ organisiert.

2007

Durch die Universität Freiburg wird eine Evaluation der brandenburgischen Waldpädagogik durchgeführt; sie orientiert sich in der Folge noch mehr an der BNE.

“Waldpädagogik persönlich“, ein unter Beteiligung brandenburgischer Forstleute verfasster Aufruf zur Verstärkung der forstlichen Dienstaufgabe Waldpädagogik, erscheint.

Der ab 1999 in Brandenburg angedachte und durch den BDF-Arbeitskreis Forstliche Umweltbildung weiter entwickelte waldpädagogische Definitionsansatz wird im Wesentlichen durch die deutsche Forstchefkonferenz übernommen.


Ein Qualitätskriterien-Katalog wird für die Waldpädagogik festgelegt und seitdem weiter entwickelt.


2008

Eine engere Verknüpfung mit dem Bildungsserver Berlin-Brandenburg gelingt. Waldpädagogische Angebote (Einrichtungen, Veranstaltungen, Positionen …) werden hier nun umfassend dargestellt. Das erleichtert die Förster-Lehrer-Kooperation, das Projekt „Wald macht Schule“ und die Bildung weiterer „Förster-Lehrer-Tandems“. Mit Goethe und die Waldpädagogik erscheint im Bildungsserver erstmals ein waldpädagogischer „Lehrer-Aufruf“.

Das brandenburgische Waldpädagogik-Konzept wird anlässlich des 3. internationalen Waldpädagogik-Kongresses in Luxemburg eine der Grundlagen eines europäischen waldpädagogischen Gedankengebäudes im Rahmen des Europa-Netzwerks Waldpädagogik.

10 brandenburgische Forstleute nehmen an einem zweijährigen Forschungsprojekt der Universität Freiburg BNE in der Waldpädagogik teil.

2009

Im Zusammenhang mit der umfassenden Erörterung der waldpädagogischen Kernbotschaft Nachhaltigkeit in Vorbereitung des 4. internationalen Waldpädagogik-Kongresses und den aus der BNE empfangenen Impulsen gibt es einen neuen, von brandenburgischen „Machern“ vorgeschlagenen, „politikfähigen“ und für Akteure sowie Partner einprägsamen Definitions- und Ziele-Vorschlag:
Waldpädagogik ist waldbezogene Bildung für Nachhaltigkeit. Sie hat den nachhaltig handelnden Menschen zum Ziel.

Es beginnt eine strukturelle Anpassung der forstlichen Dienstaufgabe Waldpädagogik an die Rahmenbedingungen des neuen Landesbetriebs Forst Brandenburg (LFB) sowie eine Weiterentwicklung des auf Basis Dienstanweisung Waldpädagogik fortgeschriebenen brandenburgischen Waldpädagogik-Konzepts zur LFB- Waldpädagogik-Strategie. Hierbei wird auf einen flächendeckenden & integrierten & kooperativen Ansatz orientiert – er stellt forstliche Authentizität und durch tägliche Arbeit mit dem Wald gelebtes „Denken in Generationen“ der als „Botschafter für Nachhaltigkeit“ handelnden LFB-Akteure sicher. Zur Flankierung der waldpädagogischen Arbeit des LFB werden einschlägige temporäre Projekte eingereicht.

Unter dem Motto „Zukunft braucht Herkunft“ wird ein „Bündnis zwischen Waldpädagogik und Forstgeschichte“ geschlossen.

2010

Im Bildungsserver Berlin-Brandenburg gelingt der Aufbau einer forstlich betreuten Waldpädagogik-Seite.

Auf der Grundlage des beim 4. internationalen Waldpädagogik-Kongresses in Lyss / Schweiz ausgebauten europäischen waldpädagogischen Gedankengebäudes wird unter Beteiligung des Märkischen Haus des Waldes der „Waldpädagogik-Baum“ begründet; mit „Waldpädagogik – was soll’s?“ entsteht in diesem Zusammenhang eine aktuelle Herleitung dieses jungen forstlichen Fachgebietes.

Ein „Waldquiz-Fundus“ wird angelegt.

Zu den Treffpunkt-Wald-Jahresschwerpunkten „Wald und Vielfalt“ sowie „Wald und Geld“ wird eine „Öffentlichkeits-Offensive“ angelegt.

Die strukturelle Anpassung der Waldpädagogik an die Rahmenbedingungen des LFB wird fortgesetzt.


2. Stand

Grundlagen

Waldpädagogik gründet in Bundesland Brandenburg auf gutem Boden; sie hat mehrere feste Standbeine:

  • eine langjährig erprobte, schon in den 1970-ern zu Zeiten der Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebe (StFB) begründete, seit 1992 mit dem Begriff Waldpädagogik bezeichnete Entwicklung
  • eine solide Formulierung im Landeswaldgesetz
  • ein stimmiges Landeskonzept, das ständig weiterentwickelt wird; die forstliche Dienstaufgabe Waldpädagogik gemäß Dienstanweisung Waldpädagogik vom 1.5.1995 ist fest etabliert
  • eine solide planerische Einbindung im Produktbereich 3 und hier in die Produkte 331 (Veranstaltungen / Aktivitäten), 3311 (Veranstaltungen / Aktivitäten gegen Entgelt), 332 (Einrichtungen: Bau und Unterhaltung) und 333 (Lehr- und Lernmittel) auf Basis einer mittelfristig gesicherten Finanzierung im Rahmen des Landeshaushaltsplans; es erfolgt eine quantitative und m.E. auch qualitative Abrechung des Geleisteten und seine Überprüfung mittels Qualitätskriterien
  • durch solide geschulte Forstleute und andere „Macher“ werden fast flächendeckende Angebote (derzeit existieren etwa 400 „gute Adressen“ brandenburgischer Waldpädagogik) mit auf wissenschaftlicher Grundlage entwickelten Programmen absolviert;
    die fortgeschrittene Profilierung der Akteure ermöglicht vielfältige Erfahrungs- und Informationsaustausche sowohl im Bundesland als auch mittels bilateralen waldpädagogischen Erfahrungsaustauschen auf Länder- und Staatenebene;
  • es gibt verlässliche „Mitstreiter“ wie die brandenburgische SDW, Waldschulvereine, Freiberufler und andere Kooperationspartner: Entscheidungsträger, Meinungsführer, „stille Helfer“ …
  • Waldpädagogik ist ein anerkannter „Juniorpartner“ des brandenburgischen Bildungswesens
  • jährlich durchschnittlich 170.000 Teilnehmer / 7.000 Veranstaltungen verdeutlichen die große Nachfrage der Brandenburger und ihrer Gäste;
  • 2009 waren es beispielsweise 173.390 Teilnehmer und 7.166 Veranstaltungen
  • eine gute Vernetzung: Brandenburgs Waldpädagogik hat einen guten Ruf in Deutschland, im EU-Raum sowie in ganz Europa und ist entsprechen eingebunden; sie betreibt das erfolgreiche waldpädagogische Brandenburg-Netz www.waldpaedagogik.info und nimmt durch intensive Mitwirkung an den Waldpädagogik-Netzseiten www.waldpädagogik.de und www.forestpedagogics.eu sowie dem Waldpädagogik-Infobrief Waldpädagogik aktuell Vernetzungen in ganz Deutschland, dem deutschen Sprachraum, dem Gebiet der EU und ganz Europa wahr


Grundsätze

Im brandenburgischen Waldpädagogik-Landeskonzept von 1995 sind u.a. folgende Grundsätze zur Waldpädagogik vermerkt:

Das Walderleben wird unmittelbar, mit „Kopf, Herz und Hand“ sowie in einer Atmosphäre der Freude und des Interesses ermöglicht - ein ganz persönlicher Beitrag für den Erhalt, den Schutz und die Mehrung des Waldes wird angeregt - die Angebote sind auf das Alter, das Vorwissen, die Interessiertheit der Waldbesucher sowie die Jahreszeiten eingestellt - Nachhaltigkeit und Geschichtlichkeit im Sinne von „in Generationen denken“ wird vermittelt und das ganzheitliche („ökosystemare“) Denken geschult ...

In Anlehnung an für die Bildung für nachhaltige Entwicklung formulierte Prinzipien werden derzeit neue Grundsätze-Formulierungen für die Waldpädagogik diskutiert.

Akteure

Brandenburgische waldpädagogische Angebote werden i.d.R. durch

  • Mitarbeiter des LFB,
  • andere Forstbetriebe sowie einzelne Waldbesitzer,
  • wald- und forstwirtschaftsbezogen tätige Verbände und Vereine mit Schwerpunkt SDW sowie diverse „Waldschulvereine“ und
  • sonstige Freiberufler / Unternehmer

umgesetzt. Es überwiegen Kooperationen.

Der Bereich der Partner der brandenburgischen Waldpädagogik gliedert sich in

  • Entscheidungsträger (Politiker, Unternehmer / Manager, Banker, Richter …)
  • Meinungsführer (Lehrer, Erzieher, Journalisten, Wissenschaftler, Anwälte …)
  • „stille Helfer“ (Eltern, Ärzte, Pfarrer, Künstler, „Unruheständler“ …)

Im Interesse der für den Erfolg wichtigen Zielgruppenorientierung werden hiesige waldpädagogische Angebote nach einer Richtungsentscheidung des brandenburgischen Agrar- und Umweltministeriums vom März 2007 speziell folgenden Menschen offeriert:

  • Vorschulkinder (Orientierung: spielerisches Walderleben)
  • Grundschüler (Orientierung: spielerisches Walderleben)
  • Schülern der Sekundarstufe I (Orientierung: Wald erarbeiten, „Abenteuer Wald“, experimentelles Walderleben)
  • Schülern der Sekundarstufe II (Orientierung: Wald-Projekte, Wald erforschen).

Schwerpunkt bilden dabei jüngere Grundschüler, weil sie

  • so jung und aufgeschlossen sind, dass die „Prägung“ durch wenige gut gelungene, sorgfältig vor- und nachbereitete Waldtage als unvergessliches Erlebnis noch gelingen kann,
  • schon so vorgebildet sind (Lesen, Schreiben, Naturkenntnisse), dass die für eine Reihe unser Angebote bzw. methodische Ansätze wichtige Wissensbasis vorhanden ist,
  • der verlässliche Partner „Grundschullehrer“ in Sachen Vorbereitung, Durchführung im „Förster-Lehrer-Tandem“ und Nachbereitung, aber auch zur Erfolgskontrolle sowie als Berater zur Verfügung steht.

Angebote

1995 wurden für Brandenburg 18 Waldpädagogik-Kategorien festgelegt.
Man hat sich 2005 in einer ersten umfassenden Abstimmungsrunde für den deutschsprachigen Raum auf vorerst 25 waldpädagogische Angebotskategorien oder „Organisationsformen“ verständigt - fast alle werden derzeit noch in Brandenburg angeboten, jedoch hier derzeit kontrovers diskutiert. Es sind dies

  • 13 Kategorien waldpädagogischer Einrichtungen wie Walderlebniszentren (Grüne Lernorte), Jugendwaldheime, Waldschulheime, Waldschulen, Rucksack-Waldschulen, Waldwerkstätten, Waldlehrgärten, Waldtheater, Forstmuseen Schulwälder, Walderlebniswelten, Waldmobile, Waldlehrpfade und
  • 12 Kategorien waldpädagogischer Aktivitäten wie Waldjugendspiele, Waldrallyes, Jugendwaldeinsätze, Waldprojekttage, forstliche Schüler-Arbeitsgemeinschaften, forstliche (Wald)Kindergarten-Betreuungen, forstliche Ganztagsschul-Betreuungen, Försterwanderungen, Familienwaldtage, Walderlebnistage, Waldferientage und Partner-/ Multiplikatorenseminare.

Die Angebote so differenziert auszuweisen war nötig und hat sich bewährt, um

  • für die verschiedenen Wünsche / Bedürfnisse maßgeschneiderte Angebote zu machen (Außenwirkung) sowie
  • die neue forstliche Dienstaufgabe strukturell zu unterlegen (Innenwirkung) und den Förstern Mut zu machen:

Schaut Euch das an – es ist für jeden etwas dabei – das könnt ihr!

Im Gegensatz zu den Einrichtungen verfügen die Akteure bei den Aktivitäten über kein gesondertes Gelände / Gebäude oder größeres Naturlehrmittel-Depot. Sie haben nur sich und i.d.R. noch ein paar „Hilfsmittel aus der Trickkiste“ im Waldrucksack. Dennoch waren hierzulande bisher diese Aktivitäten „Trend“: In Brandenburg sind bislang die (flächendeckenden) Wald-Pur-Maßnahmen favorisiert worden, nicht aber die aufwändigen spezialisierten Einrichtungen, die immer auch dazu verlocken, das Walderleben naturfern per „Medien“ in geschlossenen Räumen oder Geländen stattfinden zu lassen und leider allzu oft vor allem der Image- und „Ego-Pflege“ der handelnden Verwaltungen oder Personen dienen. Denn: Das eigentliche „Pfund“, mit dem hier gewuchert werden konnte, sind die hochmotivierten waldpädagogisch tätigen Forstleute, welche die Bindung an ihren Beruf (= den Waldboden jederzeit unter den Füßen) unbedingt behalten und nicht „verlehrern“ sollten.

Durch diese umfassende und flächendeckende Arbeit konnten etwa 400 „gute Adressen“ brandenburgischer Waldpädagogik vermeldet werden; ein starkes flächendeckendes Waldpädagogik-Potenzial wurde aufgebaut.

Themen

Derzeit werden ca. 30 spezielle Waldpädagogik-Themen ausgewiesen und diskutiert. Es handelt sich dabei um profilierungsrelevante waldbezogene Fachgebiete, die sich in besonderer Weise eignen, die waldpädagogischen Ziele unter Verwendung einfacher klarer Beispielen zu erreichen und damit gleichzeitig den ökonomischen, ökologischen und sozio-kulturellen Aspekten der Bildung für nachhaltige Entwicklung zu entsprechen. Bei der Durchführung waldpädagogischer Veranstaltungen können sie deshalb als „roter Faden“ dienen.

Es ist sinnvoll, diese Themen mit einem Kind-Fokus speziell für die waldpädagogische Hauptzielgruppe Grundschüler kindgerecht darzustellen bzw. „auf den Punkt zu bringen“. Gelingt dies mit bekannten Tieren, Pflanzen oder anderen Waldbewohnern, so bieten sich waldpädagogische Einrichtungen / Aktivitäten / Programme an, die wirkungsvolle Rollenspiele ermöglichen: Die Kinder versetzen sich dabei für eine gewisse Zeit in die Situation liebenswerter Waldbewohner und vermögen über dieses unvergessliche Erlebnis nachdrücklich Selbst- Sozial- und Natur-Kompetenz für ihr ganzes Leben zu erwerben.

Methoden

Waldpädagogik-Methoden verdeutlichen die Art und Weise der Durchführung dieser Tätigkeit sie machen den Weg zum Ziel aus. Es haben sich in Brandenburg bisher über 20 solche Methoden praktisch bewährt.

Anlässe

Waldpädagogik kann an jedem Tag des Jahres stattfinden. Im Jahreslauf ergeben sich zwischen Januar und Dezember jedoch besondere Anlässe aus Natur und Kultur, die in Brandenburg nicht ungenutzt bleiben, um diese Arbeit sowohl jahreszeitenorientiert als auch „politikfähig“ zu gestalten.

3. Ausblick

Für die brandenburgische Waldpädagogik kommt es jetzt vor allem darauf an, den erreichten Arbeitsstand qualitativ ausbauen, u.a. mit

  • der Überarbeitung des brandenburgischen Landeskonzepts Waldpädagogik – das geschieht sowohl strukturell im Rahmen der durch die Forstreform vorgegebenen Möglichkeiten und Grenzen sowie fachlich in Anlehnung an die BNE; in der Folge wird die Waldpädagogik-Dienstanweisung der Landesforstverwaltung aus 1995 durch eine LFB-Waldpädagogik-Richtlinie ersetzt.
  • der Neustrukturierung der LFB-Waldpädagogik im Rahmen der aktuellen Forstreform unter besonderer Berücksichtigung der „Stammstruktur“ (Landesforstbetrieb) ab 1.1.11; dabei erfolgt voraussichtlich die Einrichtung von 26 Entwicklungsschwerpunkten mit Modellcharakter („Leuchttürmen“) sowie die Profilierung (Herausarbeitung von landesweit-wirksamen Alleinstellungsmerkmalen) dieser „Leuchttürme“ und Sicherstellung deren personeller und materieller Ausstattung (13 davon mit Vollstellen, 13 mit Anteilstellen);
    auch die Be- / Überarbeitung der Konzepte dieser ausgewählten Einrichtungen auf Basis eines Musterkonzepts unter Einhaltung festgelegter Qualitätskriterien ist vorgesehen.
  • der Bearbeitung von ausgewählten waldpädagogischen Schwerpunktaufgaben im Rahmen temporärer Projekte mit einer Laufzeit von 6 Monaten bis mehreren Jahren unter Einbeziehung geeigneter Forstbediensteter.
  • der Weiterentwicklung von Kriterien / Qualitäts-Mindeststandards zu allen Angebotskategorien (deren Zahl reduziert wird) auf Basis der BNE-Prinzipien und als Grundlage für die Entwicklung eines Waldpädagogik-Gütesiegels;dabei steht auch die Verbesserung der Erfolgskontrolle waldpädagogischer Arbeit auf dem Programm, um u.a. folgende Fragen beantworte zu können zur Beantwortung der Fragen
    „Haben wir als Anbieter unsere Sache gut gemacht?“,
    „Ist ein Bildungseffekt eingetreten = hat sich das Wissen der Menschen verändert / vergrößert?“,
    „Ist ein Erziehungseffekt eingetreten = haben sich Einstellungen verändert, und geschah dies nachhaltig?“
  • der Fortsetzung des erfolgreichen waldpädagogischen Weiterbildungsprogramms mit dem Schwerpunkt des Erwerbs pädagogischer Kompetenzen durch Forstbedienstete; in Anlehnung den Waldpädagogikzertifikats-Beschluss 2007 der deutschen Forstchefkonferenz werden voraussichtlich ab 2011 an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH) waldpädagogische Zertifikatsfortbildungen angeboten.
  • der „Fremdmittelbeschaffung“ für die Waldpädagogik (auf Basis einer Empfehlungsliste zum Fundraising) sowie der Erkundung der Möglichkeiten und Grenzen der „Geschäftsfelds Waldpädagogik“.
  • der Erarbeitung von Konzepten, Programmen und Handlungsanleitungen zu Grundlagen, Grundsätzen, Akteuren, Angebots-Kategorien, Themen, Methoden sowie Anlässen und deren Publikation in der Schriftenreihe „WaldLernen“.
  • der Weiterentwicklung von brandenburgischen waldpädagogischen „Erfolgsprodukten“ / Trends wie Walderlebniswelten, Waldtheater, Waldrallyes ...
  • der Modernisierung der „Naturlehrmittelbörse“ .
  • der Vertiefung der Kooperation mit wissenschaftlichen Einrichtungen incl. weitere fachlicher Praxisbetreuung ausgewählter Wissenschaftsthemen und Arbeit mit Praktikanten.

Es geht ferner darum, die Vernetzung der waldpädagogischen Arbeit zu verbessern und die „Partnerpflege“ zu intensivieren, u.a. mit

  • dem Ausbau des waldpädagogischen Brandenburg-Netzwerks www.waldpaedagogik.info und Neuaufbau einer Waldpädagogik-Darstellung in der LFB-Internetseite.
  • fortgesetzter Einbindung in das waldpädagogische Deutschland- sowie Europanetzwerk (www.waldpädagogik.de bzw. www.forestpedagogics.eu) und den Infobrief „Waldpädagogik aktuell“ sowie andere wald- und umweltbildungs-bezogen tätige Netzwerke.
  • der Vernetzung waldpädagogischer LFB-Einrichtungen mit in deren Umfeld tätigen partner-relevanten Unternehmen der jeweiligen Region.
  • verstärkter „Partnerpflege“ zum brandenburgischen Bildungswesen, u.a. mit dem Ausbau des Programms „Wald macht Schule“, detaillierten Partnerschaften zwischen waldpädagogischen Einrichtungen und Schulen und der Schaffung eines vernetzten Bildungsprogramms, dem Ausbau der Waldpädagogikseite im Berlin-Brandenburgischen Bildungsserver
  • der Verbesserung der „Partnerpflege“ zur brandenburgische Umweltbildung, u.a. mit den jeweiligen Umweltbildungseinrichtungen „von nebenan“.
  • dem Ausbau der „Partnerpflege“ zum Gesundheitswesen - speziell zum Thema „Doktor Wald“ .
  • dem Auf- und Ausbau eines „Generationsnetzwerks Wald“ zur Einbindung forstlicher und ggf. auch pädagogischer „Unruheständler“ in die Waldpädagogik.

Kontakt:
Klaus Radestock, Fon 033763-64444