„Eier-Wald“

OstereierAuch wenn sich heuer der Winter außergewöhnlich lange hält: vielerorts führen waldpädagogisch tätige Forstleute und andere Waldfreunde in den nächsten Tagen Oster-Familienwaldtage durch. Die Besucher können bei dieser Gelegenheit meist nicht nur dem Osterhasen, sondern oft auch der zu dieser Jahreszeit immer interessanten Gedankenverbindung Oster - Eier - Vögel nachspüren. Manchmal wartet neben einer Osternestsuche nach dem Motto „Wär’ ein Ei ein wenig eckig, ging’s den Hühnern ziemlich dreckig“ sogar der beliebte Eiertrudel-Wettstreit.

Haben Sie sich schon mal die Frage gestellt: Was haben eigentlich Eier mit Ostern zu tun? Das ist eine „uralte Kiste“: Diese schmackhaft-rundlich-tierischen Gebilde sind (wie auch der Hase) Fruchtbarkeitssymbole unserer Altvorderen, und waren einst der germanischen Licht- und Frühlingsgöttin Ostera zugeordnet, nach der dann im Gefolge der Christianisierung das Fest der Auferstehung Jesu genannt wurde.

Der Eier-Bezug zu Ostern wurde später noch verstärkt, weil diese (wie auch erlegte Hasen) häufig als bäuerlicher Osterzins dienten, also Naturalabgabe an weltliche oder geistliche Herren waren. Von dem sich in der vorösterlichen Fastenzeit aufgestauten Eierüberschuss machten die Leute aber auch noch auf andere Weise Gebrauch: Die Eier wurden verziert, beim Oster-Gottesdienst geweiht und an die Kinder verschenkt. Als man dann nach der Reformation im 16. Jahrhundert eine neue, weltliche Erklärung suchte, die man den Kleinen für den plötzlichen bunten Eiersegen geben konnte, ward um 1500-weiß-nicht-wann von einem wohl für immer ungenannt bleibendem Vorfahren die Mär vom Hasen als dem langohrigen hoppelnden Eier-Erzeuger und -Boten geboren.

Wer heute ins Vorschulalter kommt, weiß es dann natürlich besser:
Die Eiablage - wenigstens in der für Ostern interessanten Gestalt - ist Vogel-Sache!
Die auch das schöne Gedicht HEINRICH SEIDEL’S kennen, in dem Huhn und Karpfen zur Zahl ihrer Eier wetteifern, fragt sich vielleicht:

Was gibt es an Ostern noch Interessantes und Spannendes über die Vogeleier-Zahlen zu wissen?

  • Nesthocker wie Amseln und Meisen legen weniger Eier als Nestflüchter; zu letzteren zählen auch die Hühnervögel: Kohlmeisen tun zum Beispiel 7 bis 10 Eier in ihr Nest, Rebhühner jedoch 10 bis 20 (im höchsten Fall sogar 29), andere Hühnervögeln liegen in Durchschnitt bei 20 bis 22. Die Eier von Nestflüchtern enthalten deutlich mehr Dotter als Eier von gleich großen, als Nesthocker schlüpfenden Vogelarten. In dem einen Fall sind die Küken schon kurz nach dem Schlüpfen weitgehend selbständig, während Nesthocker völlig hilflos, unbefiedert und meist blind aus dem Ei kriechen und von den Eltern lange gefüttert werden müssen.
  • Viele Vogelarten (besonders in den Tropen) erbrüten nur ein einziges Ei pro Jahr. Das tut auch der Gänsegeier, der zuletzt vor 150 Jahren in unserer Heimat brütete und bekanntlich jetzt zunehmend wieder über Deutschland kreist. In den Nestern von Ringeltauben finden sich jeweils 2 Eier, allerdings mehrmals pro Jahr.
  • Auch viele andere Vogelarten ziehen in einer Fortpflanzungsperiode mehrere Jahresbruten hintereinander hoch und gleichen damit oft Verluste aus harten Wintern oder vorherigen Gelegezerstörungen aus.
  • Höhlenbrüter wie Meisen, Spechte, Eisvögel … haben größere Gelege als Offennestbrüter. Das ist eigentlich erstaunlich und von Untersuchungen über das Überleben von Vogelbeständen nicht zu erwarten, sind doch erstere besser vor Räubern geschützt.

Nun wissen wir also, warum wir an Ostern besser mit Hühnereiern trudeln sollten als mit denen von Ringeltauben!

Übrigens:
Termine für interessante Veranstaltungen im österlichen Wald stehen hier: www.treffpunktwald.de

Klaus Radestock