Waldpädagogik zum Hubertustag

Jedes Jahr um den 3. November gedenken Europas Jäger ihres Schutzpatrons, des heiligen Hubertus, mit mannigfaltigen Aktivitäten.
Neben den traditionellen Hubertusjagden finden aus diesem Anlass vielerorts festliche öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen wie Hubertusmessen statt; neuerdings gibt es auch thematische waldpädagogische Angebote. Die Waidmänner wollen mit derartigen Aktivitäten jedoch nicht nur auf eine faszinierende Tradition aufmerksam machen sowie in der Öffentlichkeit Sympathiewerbung für die Jagd als Hege der einheimischen Wildbestände machen.

Es geht den waldpädagogisch Tätigen unter ihnen auch und vor allem um „Bildung für Nachhaltigkeit am Beispiel Jagd“: Lehren der Fähigkeit zum „Denken in Generationen“ durch sinnvolle Naturnutzung, Aufklären über die Notwendigkeit eines verantwortungsbewussten Umgangs mit der Schöpfung ...

Walderlebniswelt „Pirschweg“

Das Märkische Haus des Waldes beim Landesbetrieb Forst Brandenburg (LFB) in Heidesee bei Berlin bietet allen Interessierten neuerdings die Möglichkeit, selbst in die Rolle eines Jägers zu schlüpfen und mit diesem „Rollentausch“ die Jagd einmal mit den Augen der „Macher“ zu betrachten:
In der neu geschaffenen Walderlebniswelt „Pirschweg“ können die Besucher mit Schwerpunkt Schüler der Sekundarstufe I auf einem Mehr-Stationen-Rundkurs die Aufgaben und Anforderungen nachvollziehen, denen sich ein Waidmann bei der Betreuung seines Jagdreviers stellt.
Bewähren muss man sich beim Erkunden von Wildwechseln ebenso wie im „Rothirsch-Geweihgewicht-Schätzen“, beim „Ansprechen“ des Wildes vom Hochsitz aus, „Kastenfalle-Testen“, jagdlichem Schießen mit dem Laser-Gewehr ...
Die Teilnehmer erhalten zum Abschluss eine Pirsch-Urkunde.

Das alles wird aus Anlass des diesjährigen Hubertustages am 6. November 2010 ab 15.00 Uhr auch wieder als herbstlicher Familienwaldtag gestaltet, zu dem viele Jagdsignale ertönen, Jägerlatein erzählt wird, „Schüsseltreiben“ (hier: Essen und Trinken am Lagerfeuer) stattfindet ...
Die Besucher werden an diesem Tag von den erfahrenen Jägern und Waldpädagogen Hartmut Jänner (LFB-Mitarbeiter) und Artur Schüler (SDW-Referent) betreut.

Übrigens:

  • Waldpädagogische „Hubertustermine“ in Deutschland finden Sie unter www.treffpunktwald.de.
  • Das neue Buch „Nachhaltigkeit erleben“ enthält mit dem Thema “Die Jagd – Relikt oder Ressourcennutzung“ ein jagdorientiertes Bildungsmodul, der bayerische Leitfaden „Forstliche Bildungsarbeit“ ein Kapitel „Jagd“ ...
    Hier erhalten Sie zahlreiche weitere Tipps/Naturlehrmittel (auch) zum Waldpädagogik-Thema Jagd & Wild, Quizfragen zur Jagd ...
  • Der Hubertus-Brauch hat nun auch Einzug in die Neuen Medien gehalten: Der evangelische Pastor und Jäger Rolf Adler bietet unter www.sankt-hubertus.de Hilfen für die Gestaltung von Hubertusmessen an.
  • Näheres zum in Kooperation zwischen dem Landesbetrieb Forst Brandenburg und dem Regionalverband Dubrow e.V. der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) betriebenen „Pirschweg“ am Märkischen Haus des Waldes finden Sie hier: www.mluv.brandenburg.de/cms/media.php/lbm1.a.4594.de/p_pirsch.pdf.
    Und: diese Jagderlebniswelt wird nicht der einzige waldpädagogische „Jagdparcours“ im Bundesland Brandenburg bleiben – derzeit wird in Groß Schönebeck / Schorfheide an einer „Hirscherlebniswelt“ gebaut
    (Kontakt: Jörg Sülzenbrück, Joerg.Suelzenbrueck@AFFEW.Brandenburg.de).

Was man noch über den Hubertustag wissen sollte ...

Am 03.11. jeden Jahres begehen die Jäger mit Hubertusjagd und Hubertusfeier den Todestag des
St. Hubertus. Das war ein Pfalzgraf Theoderichs III. von Burgund. Als seine Frau bei der Geburt ihres ersten Sohnes starb, suchte er auf der Jagd in den Ardennen Ablenkung von seinem Leid. Fortan galt dieser Mann als rücksichtsloser Jäger.

Während er an einem Karfreitag wieder einmal zur Hetzjagd ritt, hatte Hubertus der Sage nach plötzlich eine Vision: Er sah einen weißen Hirsch mit einem leuchtenden Kruzifix zwischen den Geweihstangen, der ihm mit menschlicher Stimme Vorwürfe wegen seiner Wildschlächterei machte.
Der wilde Jäger wurde durch diese Erscheinung zum Christentum bekehrt; er lernte fortan die Tiere des Waldes achten.

Als der Graf später zum Bischoff von Lüttich ernannt wurde, soll er mit seinen Mönchen auch Jagdhunde gezüchtet und mittels eines „Goldenen Schlüssels“ von tollen Hunden Gebissene geheilt haben.
Hubertus verstarb 727, und wurde 744 wegen seines großen Glaubenseifers und seiner Wundertaten heilig gesprochen.

Das Motiv der Hubertuslegende ist ein vor einem Hirsch, der im Geweih ein strahlendes Kreuz trägt, kniender Jäger. Dies Bildnis ist seitdem oftmals von Künstlern aufgegriffen worden: Dürer stellte es in einem Kupferstich dar, Kändler formte die Porzellanplastik „St. Hubertus“ im Schloss Moritzburg, Grone gestaltete die Vision als Deckengemälde im Schloss Hubertusburg ...
Den meisten Leuten ist dieses Zeichen heute freilich vom Aufkleber eines bekannten Kräuterlikörs her bekannt – leider!

Klaus Radestock
Fon 033763-64444