„Waldjahr“ 2011 nutzen!

„Feste soll man feiern, wie sie fallen“ sagt der Volksmund. Das heißt nichts anderes als: Nutze die gute Gelegenheit, wann immer sie sich bietet! Zweifellos gilt das auch für die Waldpädagogik. Wenn sie gleichwohl in jedem Jahr, an jedem Tag oder zu jeder Stunde stattfinden kann: Im Dekade-, Jahres- oder Tageslauf ergeben sich immer ganz besonders gute Anlässe aus Natur und Kultur, die nicht ungenutzt bleiben sollten, will man seine Arbeit sowohl waldorientiert als auch besucherfreundlich und gar „politikfähig“ gestalten.

Anlasskalender zur waldbezogenen Umweltbildung

Bereits seit den 1990-ern gibt es für die waldbezogene Umweltbildung einen Überblick, der das rechte „Wann?“ empfiehlt, und den man am besten den waldpädagogischen Anlasskalender nennen könnte. Er enthält derzeit etwa 120 Tipps, wie man das jeweilige Wald-Anliegen zur passenden Zeit und Gelegenheit anbieten kann. Dieser „Jahrweiser“ hilft auch und vor allem, die Waldpädagogik-Termine thematischer, längerfristiger und abgestimmt-profilierter zu gestalten. Die Vorteile einer solchen Jahresorientierung liegen auf der Hand:

  • Eine solide Planung ist auch in der Waldpädagogik die beste Grundlage für gute Arbeit. Langfristige „fixe“ Termine zu Höhepunkten geben unserer Arbeit einen stabilen Rahmen – damit nehmen wir uns gewissermaßen gleich selbst mit in die Pflicht.
  • Man erlangt so „Kundenfreundlichkeit“ und Berechenbarkeit bei allen Zielgruppen sowie Partnern und erleichtert sich sogar sein „Fundraising“.
  • Langfristigkeit sichert uns Bekanntheit und - wichtig bei öffentlichkeitswirksamen Terminen - auch Medienpräsenz (z.B. in der Fachpresse mit z.T. langen Redaktionszeiten) sowie „Politikfähigkeit“; man kann seine Arbeit rechtzeitig „steuern“ und ggf. sogar mit „Entscheidungsträger-Präsenz“ ("Schirmherren oder -frauen“ ...) koppeln.

Ein früh erstellter, vielleicht sogar überregionaler, landesweiter ... Waldpädagogik-Jahreskalender gibt allen „Machern“ gute Einsicht in die vielfältigen gesellschaftlichen und waldbezogenen Anlässe dieser Arbeit und zeigt ihnen auch, was die „Waldpädagogen von nebenan“ so machen.

Waldpädagogik im Jahr der Wälder 2011

Das Internationale Jahr der Wälder 2011 verfolgt das Ziel, die Waldgesinnung und das Waldwissen heutiger und künftiger Generationen zu fördern. Ein solches Welt-Waldjahr hat natürlich auch große Bedeutung für die waldbezogene Umweltbildung und Anerkennung des Waldes als „Bildungsgut“. Wir bekommen also zusätzlich zum „modischen“ Dekade-, Jahres-, Quartals- oder Tages-Anlaß nun gar eine „Jahrhundert-Chance“, wie wir sie zu unseren Lebzeiten nicht mehr kriegen werden. Bitte nutzen Sie diese einmalige forst- und bildungspolitische Möglichkeit für Ihre waldpädagogische Arbeit; dazu einige Hinweise:

  • Beteiligen Sie sich an der Kampagne „Waldkulturerbe„, übermitteln Sie Ihre Fachbeiträge und Termine auch an www.treffpunktwald.de, www.das-jahr-der-waelder.de und andere Partner-Netzwerke ... Planen Sie dabei Ihre Aktivitäten langfristig (Beispiel: Im Bundesland Brandenburg stehen derzeit bereits über 200 Termine für waldpädagogische Aktivitäten im „Waldjahr“ fest).
  • Machen Sie bei Aktionen wie “Interessante Waldgeschichten gesucht“, “Waldfotos und -Videos gesucht„ oder “Ohren auf im Wald„ mit, bestellen Sie Werbemittel, werben Sie für Waldaktien, gewinnen Sie Waldpaten ...
  • Suchen Sie jede Gelegenheit, für das „Waldjahr“ incl. des Themas „Bildungsgut Wald“ gegenüber Entscheidungsträgern und Meinungsbildnern aller Art auch ganz direkt zu „trommeln“; beginnen Sie damit schon auf den Neujahrsempfängen aller Ihnen zugänglichen politischen und Verwaltungsebenen.
  • Das Waldforum der Vereinten Nationen will 2011 weltweit Menschen, die ihr Leben dem nachhaltigen Umgang mit Wäldern widmen, als “Forest Heroes„ ehren. Warum hier nicht auch einmal herausragend waldpädagogisch Tätige nominieren? Bitte beachten Sie aber den frühen Meldeschluss 25. Dezember 2010!

Ein forstliches Dilemma

Es heißt am Märkischen Haus des Waldes, dem brandenburgischen Waldpädagogik-Zentrum, manchmal scherzhaft, ein waldpädagogisch tätiger Förster solle (mindestens) drei Eigenschaften haben: 1. „Wald im Herzen“ - 2. „Feuer im Hintern“ - 3. „Sendungsbewusstsein“ Im „Waldjahr“ 2011 ganz besonders kräftig Sympathiewerbung und Imagepflege (auch) für den „Lernort Wald“ zu machen ist allerdings nicht so einfach, denn an Drittem hapert es derzeit in Forstkreisen noch vielerorts. Wer Forstleute kennt, weiß: die meisten von ihnen (selbst die im „Grünen Klassenzimmer“ Tätigen) sind einfach viel zu still! Das hat seinen Grund: der durchschnittliche „Grünrock“ ist vom Typus her eher „Innen-Mensch“, also (nach FREUDscher Klassifizierung) introvertiert, tut am liebsten in Ruhe, Gelassenheit und Zurückgezogenheit seine Pflicht, „stellt sein Licht eher unter den Scheffel“, will mehr sein als scheinen, hasst schrilles Gezänk und panisch-aktionistisches Handeln, verurteilt jedwede Angeberei und „Schaumschlägerei“ ... und misstraut deshalb auch Kampagnen aller Art. Das sind übrigens alles „Tugenden von gestern“, die man einst den „alten Preußen“ nachsagte; das Glockenspiel der ehemaligen Potsdamer Garnisonskirche kündet noch heute davon: „Üb' immer Treu und Redlichkeit bis an Dein kühles Grab ...“. SCHILLER rühmte die Förster für solche auf Langfristigkeit, Ganzheitlichkeit, Kontinuität und „das rechte Maß“ angelegte Persönlichkeitseigenschaften einst auf folgende Weise: „Ihr seid groß, Ihr wirkt unbekannt, unbelohnt, frei von des Egoismus Tyrannei, und Eures stillen Fleißes Früchte reifen der späten Nachwelt noch“. Das Problem ist: Solche konservativen Mensch-Eigenschaften nach dem Motto „Tue Gutes, aber rede nicht drüber“ machen der „wald-grünen Zunft“ heute (in der schnelllebigen, an der späten Nachwelt meist recht wenig interessierten, „Moderne“) bekanntlich schwer zu schaffen, und sind vermutlich der eigentliche Grund für die anhaltende forstliche „Politik-Unfähigkeit“.

„Förster-Medienprofi-Tandems“ bilden

Eine Bitte an alle waldpädagogischen „Macher": Wagen Sie diesmal den notwendigen „Gang auf Messers Schneide"! Versuchen Sie es zumindest: einerseits ein wenig nach den gültigen massenmedialen, mehr und mehr skandal- und auf schnelle Wirkung und eben so schnelles Vergessen orientierten Spielregeln mitzuspielen, dabei eventuell auch mal „den Clown geben“ zu müssen und damit die nötige Aufmerksamkeit für das „Bildungsgut Wald“, die multifunktionale Forstwirtschaft & die forstliche Dienstaufgabe Waldpädagogik, die „wald-dolmetschenden“ Förster ... zu erreichen, andererseits aber grundsolider „Vermittler zwischen Mensch und Wald“ und mit beiden Beinen fest auf dem Waldboden zu bleiben.

Und wenn Sie partout nicht über Ihren Schatten springen können: Wie wäre es mit einer engen Partnerschaft mit erfolgreichen „Außen-Menschen“ unter den Entscheidungsträgern und Meinungsbildnern, also „Förster-Medienprofi-Tandems"? Kontaktieren Sie dazu einfach öfter mal Ihren Politiker, Journalisten, Publizisten, Aktionskünstler, Moderatoren, hauptberuflichen „Dampfplauderer“ ... „von nebenan"!

Klaus Radestock
Klaus.radestock@gmx.de