Wald – reich ? - Nachhaltigkeit, Wald & Geld - ein Waldpädagogik-Schwerpunkt 2010

Eines der bekanntesten Berliner Lieder besingt die Grunewalder Holzauktion von 1890. Dieser „Gassenhauer“ ist in geselliger Runde auch heute noch beliebt. Mit Recht, denn dass Holz stimmungsvoll „unter den Hammer kommt“ und gute Erlöse bringt, ist weiterhin üblich. Unserer komplexer gewordenen Zeit geschuldet haben sich aber die Begriffe gewandelt: Was heute in Sachen Holzverkauf öffentlichkeitswirksam läuft, nennt sich nun Meistgebotsverkauf, Wertholzversteigerung, Submission ...

Was aber macht das Thema Einnahmen / Geld derzeit auch für die deutsche Waldpädagogik so wichtig?

Die UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung setzt für 2010 auf den Schwerpunkt Geld und Nachhaltigkeit. Denn rund um’s Geld stellen sich heute viele wichtige Zukunftsfragen:

  • Welche Rolle spielt Geld heute?
  • Lässt sich Nachhaltigkeit (als Fähigkeit, „in Generationen zu denken“) mit Gewinn-Maximierung / „Profitmachen“ in Übereinklang bringen?
  • Wie viele Staatsschulden können wir unseren Kindern und Enkeln zumuten, ohne ihre Zukunft zu gefährden?
  • Dürfen finanzielle Hilfen für Banken die Geldquellen für Entwicklungshilfe, Klimaschutz … austrocknen?
  • Wie schaffen wir ein globales Finanzsystem, das die nachhaltige Entwicklung aller Weltregionen sichert?

Die deutschen Forstleute werden dieses Motto voraussichtlich vor allem im Zusammenhang mit dem Spannungsfeld „Nachhaltigkeit, Wald und Geld“ diskutieren;
wichtige Fragen sind dabei sind zum Beispiel:

  • Geht das zusammen: Wald – reich?
  • Ist ertragreiche Forstwirtschaft auch in Krisenzeiten möglich?
  • Ist im Wald Gewinn-Maximierung und Nachhaltigkeit vereinbar?
  • Welche Waldbesitz- und Waldbewirtschaftung-Strukturen sind Voraussetzung, welche Produktions- und waldbaulichen Wege müssen beschritten werden, um Nachhaltigkeit, Wald und Geld in Übereinklang zu bringen?
  • Welche Waldprodukte können wie vermarktet werden?
  • Ist Holz Rohstoff mit Zukunft? Hat „Energieholz“ Zukunft?
  • Was ist Grund und Motivation für Kauf und Verkauf von Wald - ist Wald als Investitions- und Anlagevermögen interessant?
  • Was sind die Möglichkeiten, was die Grenzen der Vermarktung landeskultureller Leistungen des Waldes?
  • Wie sieht unter der Maxime der Gewinn-Maximierung unser Wald in einigen Jahrzehnten aus: wird er zu einer Holz-Plantage, einem „Stangenacker“ … oder bleibt die naturgemäße Waldwirtschaft der „Königsweg“?
  • Können wir in der aktuellen Finanzkrise eine Bestätigung für nachhaltige Forstwirtschaft sehen?
  • Sollte es vielleicht am Beispiel nachhaltiger Waldbewirtschaftung sogar möglich sein zu belegen, dass das derzeitige Denken in Geld durch ein Denken in Menschen&Wald - Generationen abgelöst werden muss, damit unsere Gattung auf „Mutter Erde“ eine Zukunft haben will? Denn: Geld kann nicht wirklich an Geld wachsen – Wohlstand entsteht immer nur durch menschlichen Fleiß & nachhaltige Nutzung der Naturgüter!

Wald – reich ? wird natürlich auch ein Schwerpunkt der waldpädagogischen Arbeit in Deutschland (nicht nur) der nächsten Monate sein und damit zu deren weiterer Orientierung auf eine Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) beitragen.
Hier ergeben sich viel Möglichkeiten - bei Waldprojekttagen und Jugendwaldeinsätzen mit Schülern der Sekundarstufe I und II, in der Schulwaldarbeit mit oder ohne Schülerfirma, als Waldschul- oder Waldtheaterthema mit Grundschülern, bei Waldjugendspielen oder Waldrallyes, in Waldwerkstätten, Waldlehrgärten und anderen „Grünen Lernorten“, bei Waldwanderungen mit Erwachsenen, zu Multiplikatorenseminaren …