Pilze als Thema der Waldpädagogik

PilzeNun ist es wieder soweit – die allgemeine „Pilzpirsch“ hat begonnen! Gestern erschien der erste 2010-er Besucher bei uns im Märkischen Haus des Waldes, der mir einen Pilz vorwies und dazu die obligate Frage stellte: „Herr Förster, was ist denn das für einer?“ Und natürlich: „Kann man den essen?“ Vom Standpunkt der Waldpädagogik aus mag ich die Pilzzeit nicht besonders – es ist einfach beschämend, immer wieder zugeben zu müssen, dass man diese Waldfrüchte rein kulinarisch nicht mag und (deshalb?) auch wenig Ahnung davon hat. Diesmal aber konnte ich sofort helfen und identifizierte das Geschöpf als noch sehr jungen und essbaren Riesenschirmpilz, auch Parasol genannt.

Das Foto erklärt übrigens, weshalb der Pilzfreund das skurrile Gebilde als „Pimmel-Pilz“ umschrieb: Die jung wie Paukenschlegel, später wie aufgespannte Regenschirme aussehenden Parasole sind rund um unser Forsthaus keine Seltenheit. Meine Frau erntet sie gern - manchmal so schnell und in derartigen Mengen, dass ich scherzhaft vermute, sie wäre mit der Sense (oder wenigstens Sichel) unterwegs gewesen.
Der Hut lässt sich - paniert - prima zu einem Schnitzel verarbeiten, der getrocknete Stiel später zu (exklusivem) Pilzpulver zerbröseln ... Meine sächsischen Verwandten haben uns zu diesem „Schwammerl“ vor einiger Zeit noch mehr erzählt: „Wenn man die jungen Parasolpilz-Hüte so aufschneidet, dass daraus Ringe entstehen, so heißen wir diese Gebilde „A...löcher.“ Probiert habe ich’s noch nicht!

Pilze ...

Ob als schmackhaftes Lebensmittel, lästiger Fußpilz, geheimnisvolles Mutterkorn oder heilendes Penicillin – Pilze sind im Leben der Menschen allgegenwärtig.
Die uns als Waldfrüchte interessierenden Arten gibt es - wenige wissen das - das ganze Jahr über, aber der „Pilzkult“ konzentriert sich bekanntlich vor allem auf die spätsommerlichen bzw. frühherbstlichen Monate September und Oktober.

... ein dankbares Thema der Waldpädagogik

Unser heutiges Verhältnis zu diesen faszinierenden, weder dem Tier- noch dem Pflanzenreich zuordenbaren Lebewesen wird bekanntlich nicht mehr nur aus der Kochtopfperspektive bestimmt. Denn: „Pilzjagd“ ist für viele Zeitgenossen vor allem ein zwar nur wenige Wochen währendes, aber sehr reiz- und stimmungsvolles, dem „Erholungs- und Bildungsgut Pilz“ gewidmetes Walderlebnis.
Die Waldpädagogik kann und sollte nun dafür sorgen, dass die Waldbesucher durch Forstleute, Mitglieder der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und andere Waldfreunde im Spätsommer und Frühherbst (auch) anlässlich von Pilztagen, -wanderungen, -ausstellungen, -beratungen, -schaus, -quiz oder mittels vieler anderer Angebote und Methoden der waldbezogenen Umweltbildung betreut und angeleitet werden.

Die begehrten Waldfrüchte können in dieser Zeit leicht Mittel zum Zweck werden, die Leute nicht nur für das Ökosystem Wald zu begeistern oder über die Forstwirtschaft zu informieren, sondern bieten auch mannigfaltigen Anlass, auf die Notwendigkeit langfristigen und ganzheitlichen Denkens sowie Handelns hinzuweisen und damit Nachhaltigkeit zu lehren.

Übrigens:

  • Die „waldigen“ deutschen Pilzveranstaltungen der nächsten Wochen stehen (u.a.) hier: www.treffpunktwald.de.
  • Hier findet man (auch) ein Pilz-Quiz.

Klaus Radestock
Fon 033763-64444