Vogelschutz als Thema der Waldpädagogik

Der Vogelschutz ist - mit Recht - ein beliebtes Thema der Waldpädagogik: Mit wenig anderem als der Beschäftigung mit solchen sympathischen Sängern und Piepsern kann man Kinder besser an die Natur heranführen, sie Schönes und Wichtiges erleben lassen sowie sie vor allem lehren, Verantwortung für sich selbst, für andere und für die Natur zu übernehmen.

Um Vögel sollte es nicht nur bei den obligaten Försterwanderungen oder Familienwaldtagen gehen, wo es natürlich wichtig ist, auch die Stimmen dieser Tiere zu erläutern. Dabei sind „Eselsbrücken“ besonders hilfreich - wussten Sie zum Beispiel schon, das der Buchfink ein „Kneipengänger“ ist, weil sein Ruf immer mit einem geschmetternden „Biiiiiiiier“ endet? Wetten, dass die geführten Waldbesucher gerade solche Erläuterungen nicht vergessen werden?

Doch das Thema Vögel gibt für die Waldpädagogik viel mehr und vor allem Intensiveres her: Ob mit Waldprojekttagen, Jugendwaldeinsätzen, in Forst-AG’s, bei forstlicher Ganztagsschularbeit oder Kindergartenbetreuung, in Waldlehrgärten, Schulwäldern oder Waldwerkstätten – überall können wir auch Dinge tun, die waldbewohnenden Vögeln helfen, u.a. mit

  • der Fertigung, Kontrolle und Betreuung artgerechter Nistkästen für Höhlenbrüter wie Wiedehopf, Schellente, Hohltaube, Rauhfußkauz, Schleiereule, Spatz, Meise, Star, Gartenrotschwanz …,
  • dem Registrieren und Sanieren von natürlichen Baumhöhlen,
  • der Erhaltung oder die Neuanlage von Ufersteilabbrüchen für Eisvogel oder Uferschwalbe,
  • dem Aufstellen von Sitzkrücken auf Kahlschlägen oder Kulturen für die Lauerjäger unter den Greifvögeln wie etwa den Mäusebussard und verschiedene Eulenarten,
  • dem Zusammenbinden von Zweigen zu Nisttaschen am Stamm für den Baumläufer sowie Nestbauerleichterung an Sträuchern für andere Vogelarten,
  • dem Vorbereiten von Kunsthorsten für Arten wie Fischadler, Schwarzstorch, Waldohreule, Habicht, Mäuse- und Wespenbussard oder Graureiher,
  • dem Aufbau von Vogeltränken und „Vogelwarnern“ an Glasfassaden im menschlichen Wohnbereich,
  • der Teilnahme an Vogelberingungen,
  • dem Anlegen von Benjeshecken,
  • der Anpflanzung „vogelgerechter“, weil fruchttragender heimischer Pflanzen und (gut überlegten) Winterfütterung am Vogelhaus …

Vieles davon gilt natürlich auch jetzt zur jährlichen „Vogel-Hoch-Zeit“ im „Wonnemonat“ Mai.
Schon durch den „Ohrenschmaus“ wird man ja nun auf die gefiederten Bewohner unserer aufmerksam und findet damit Anlass, sich mit Ihnen unbedingt zu befassen, denn in das besonders früh am Morgen nun immer lauter werdende Vogelkonzert haben sich derzeit auch die Stimmen der heimgekehrten Zugvögel gemischt: Neuntöter, Kuckuck, Pirol, Gartengrasmücke, Teichrohrsänger, Nachtigall, Kiebitz, Rebhuhn, Pirol, Grasmücke, Meise, Bachstelze ...

Als kleinen Wermutstropfen auferlegt uns diese schöne Jahreszeit allerdings das Problem der „unfreiwilligen gefiederten Pfleglinge“:
Einige tierliebende, gleichzeitig jedoch intellektuell herausgeforderte Menschen (dieser Typus scheint zuzunehmen) bringen den Förstern, Naturwachtmitarbeitern, Tierheimen, Tierärzten … derzeit scharenweise Jungvögel ins Haus!

Doch: Gutgemeint ist nicht immer gut gemacht!
Wir möchten aus diesem Anlass erneut auf Folgendes hinweisen:

Wenn der Nachwuchs von „Amsel, Drossel, Fink und Star“ flügge wird, gibt es immer ein paar „Pechvögel“.
Sie erreichen beim ersten Flugversuch keinen rettenden Ast, sind bei einer Drängelei unter Geschwistern „über Bord gegangen“ ...

Sobald solche Tiere dann piepsend und bettelnd am Wegesrand sitzen, werden sie von „Gutmenschen“ nicht selten mit nach Hause genommen und dann Leuten angetragen, bei denen man „Vogelkompetenz“ vermutet.
Das bedeutet jedoch in vielen Fällen den sicheren Tod für die Vogeljungen, die ja stündlich und z.T. mit Insekten gefüttert werden müssen, wobei der Nahrungsbedarf ihrem Körpergewicht entspricht.

Selbst wenn aber die Ernährung glückt, vermögen menschliche Ersatzeltern diese Schützlinge niemals all das zu lehren, was so ein gefiedertes Wesen können muss, um sicher durchs Leben zu kommen - ein frühes Ende durch Beutegreifer ist auch dann meist vorprogrammiert.
Der Mensch kann die Vogeleltern niemals richtig ersetzen!

Bitte machen Sie also folgende Mahnung zum Gegenstand der derzeitigen Waldpädagogik:

Rühren Sie kleine „Pechvögel“ nicht an oder setzen Sie sie - falls etwa Katzen in der Nähe sind - allenfalls hoch in ein nahes Gebüsch oder auf einen Baumast.
Grund: Es sind nur „Scheinwaisen“, die durch ihre „Bettelrufe“ weiterhin mit den Eltern in Verbindung stehen.
Die Altvögel lassen ihre Jungen auch außerhalb des Nestes nicht im Stich und nehmen sie, sich am Menschengeruch nicht störend, selbst dann wieder an, wenn sie berührt worden sind.
Sobald die „Luft rein“ (d.h. der Mensch außer Sicht) ist, werden die Kleinen weitergefüttert und können zu einem erneuten Flugversuch starten.

Kontakt:
Klaus Radestock, Tel. 0049-33763-64444