Länderübergreifender Erfahrungs- und Informationsaustausch zur Waldpädagogik-Zertifikatsfortbildung

Anlässlich eines vom 12. bis 14. Oktober 2010 durchgeführten Informationsaustausches zur Waldpädagogik fuhren vier Märker nach Bayern und Hessen:
Thomas Simon und Klaus Radestock vom Landesbetrieb Forst Brandenburg sowie Astrid Schilling und Stephanie Gotza von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde weilten an der Fachhochschule Weihenstephan in Freising sowie im Forstlichen Bildungszentrum Weilburg und dem dortigen Jugendwaldheim (Foto), um sich u.a. über Erfahrungen zur Waldpädagogik-Zertifikatsfortbildung zu informieren.

Warum solche Treffen?

Nach dem Motto „Erfahrungsaustausch ist die beste & billigste Investition“ war das Anliegen der Reise, Kenntnis über gute Beispiele deutscher Waldpädagogik-Zertifikatsfortbildungen zu erlangen – mit dem Ziel, dann in der Folge ein eigenes brandenburgisches Modell solcher staatlich bescheinigter postgradualer Schulungen für die waldbezogene Umweltbildung zu schaffen.

Derartige „bilaterale“ Treffen mit Waldpädagogik-Partnern aus anderen Bundesländern und dem Ausland haben bei den Brandenburgern Tradition: seit 1995 fanden bereits über 20 solcher Begegnungen statt.

Was soll das Vorhaben „brandenburgische Waldpädagogik-Zertifikatsfortbildung“ bewirken?

Die waldpädagogische Arbeit des Landesbetriebs Forst Brandenburg (LFB) weist hohe Besucherzahlen (Quantität) auf, ist aber auch ein Qualitätsprodukt.
Zur Güte-Entwicklung dieser jungen forstlichen Dienstaufgabe tragen in Brandenburg bisher u.a. bei:

- einschlägige Fortbildungen der beteiligten Mitarbeiter und ihrer Partner vor allem auf pädagogischem
sowie organisatorischem Gebiet: seit 1995 wurden 121 „waldpädagogischer Försterseminare“ mit rund
1.500 Teilnehmern durchgeführt,
- die Anwendung von Qualitäts-Kriterien und
- differenzierte Maßnahmen der Erfolgskontrolle.

Im Rahmen der stärkeren Orientierung dieser Arbeit mit dem „Bildungsgut Wald“ an einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) wurde 2007 ein Beschluss der deutschen Forstchefkonferenz (FCK) über eine waldpädagogische Zertifikatsfortbildung mit dem Ausbildungsziel „zertifizierter Waldpädagoge“ gefasst.

Bisher gibt es in Europa an 9 Orten (in 7 deutschen Bundesländern, der Schweiz und Österreich) solche Fortbildungen – die Forststadt Eberswalde könnte im Bundesland Brandenburg ab dem „Jahr des Wälder“ der
10. sein, denn: Es wird erwogen, dass der LFB-Kooperationspartner Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) ab 4. Quartal 2011 auch einen solchen modularen „Waldpädagogik-Zertifikatskurs“ anbietet.

Wer waren die Gastgeber?

An der Freisinger Fachhochschule Weihenstephan (Bayern) trafen die vier Märker auf Waldpädagogik-Professor Robert Vogl und Günter Dobler, Sachbearbeiter für Waldpädagogik im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie Autor des Buches „Weltknäuel Mensch“. Diese Gastgeberkonstellation ermöglichte den Brandenburgern nicht nur einen tiefen Einblick in das bayerische Waldpädagogik-Zertifikats-Modell. Zusätzlich konnten sie hier außerdem mehr über das Zusammenspiel einer solchen Fortbildung mit studentischer Waldpädagogik-Ausbildung erfahren. Das ist wichtig, denn solche Kooperation zwischen forstlicher Praxis und wissenschaftlicher Lehre und Forschung soll künftig auch in Brandenburg eine größere Rolle als bisher spielen.

Um die Köpfe auszulüften, führte Günter Dobler die Besucher auch über den Gehölzlehrpfad Freising (s. Foto) – ein überzeugendes Beispiel eines guten Waldlehrpfades.

Die nachmittägliche Diskussion wurde am Abend in der „ältesten Brauerei der Welt“ fortgesetzt.

Im Forstlichen Bildungszentrum Weilburg des Landesbetriebs Hessen-Forst informierten die Hausherren, unter ihnen besonders Förster Karl-Heinz Göbel und Lehrer Stephen Bonacker, die Brandenburger ausführlich über den seit 2008 angebotenen, länderübergreifend abgestimmten Kurs zum Waldpädagogik-Zertifikat als berufsergänzende Qualifizierung vor allem für die Berufsgruppen Lehrer, Erzieher und Förster.
Bei dieser Gelegenheit wurde in der Folge das in Kooperation mit der hessischen Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und der Stadt Weilburg betriebene Jugendwaldheim besucht (Foto).
Hier ging es u.a. um Fragen der vielfältigen Möglichkeiten der Zusammenarbeit Landesforstbetrieb – SDW, deren Bedeutung auch in Brandenburg zunehmen wird.

Besondere Aufmerksamkeit erweckte bei den Märkern ferner das erst kürzlich im Wildpark Tiergarten eröffnete erste „Kinderforsthaus“ Deutschlands - es dient der waldbezogenen Umweltbildung mit Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren und ist damit ein besonders gutes Beispiel für die waldpädagogische Angebotsform „forstliche Kindergartenbetreuung“.

Die Brandenburger bedanken sich bei ihren bayerischen und hessischen Gastgebern:
Wir haben viel gelernt und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit!

Klaus Radestock
Fon 0049-33763-64444