Winterfreud’ und Winterleid
… liegen derzeit im Wald dicht zusammen

Eine idyllische Winterlandschaft erfreut derzeit nicht nur die rodelnden oder schneeschuh-laufenden Kinder, sondern alle Erholungssuchenden - und das auch und vor allem in den tief verschneiten Wäldern Deutschlands. Wenn Sie hier jetzt zu Fuß oder auf Langlauf-Skiern unterwegs sind, können Sie wunderbare Natureindrücke mitnehmen und eine Fülle spannender Beobachtungen machen. Besonders frischer Schnee offenbart uns derzeit als „weißer Leithund“ die ganze Vielfalt nächtlichen Tierlebens, die wir sonst kaum jemals zu Gesicht bekommen.
Aber aufgepasst, Augen und Ohren aufsperren und nicht tagträumen: Gefahr droht jetzt nicht nur auf den Straßen, sondern leider auch im Wald!


Man kann es derzeit nicht übersehen – speziell unter den malerisch anmutenden Fichten- oder Kiefernalthölzern sind die Waldwege mancherorts geradezu übersät mit herabgestürzten Ästen oder abgebrochenen Stämmen. Unter diesen „verunglückten“ Baumteilen, zu denen oft noch Eiszapfen, -brocken oder -anhänge kommen, sind auch solche, die durch Größe und Gewicht durchaus schwere oder sogar tödliche Verletzungen hervorrufen können.

Nicht nur für Förster und Waldarbeiter, die hier derzeit den Wald bewirtschaften oder Gefahren beseitigen müssen, bedeutet das ein Wagnis, sondern auch für alle anderen Waldbesucher!“
Teilweise mussten aus diesem Grund sogar schon Wege gesperrt werden.

Lassen Sie sich jedoch ihren geplanten Waldgang durch diese Warnung nicht verdrießen!
Denn: derzeit wird der Blick auf das Wetter leider immer hysterischer, ist der Begriff Klima mit dem der Katastrophe verbunden worden. Nicht Panik und schreckliche Angst ist nun angesagt, sondern nur besondere Achtsamkeit, Ruhe und Gelassenheit.
Die Älteren unter uns, die in den 1950-ern bis 1970-ern als Kinder noch „Ski und Rodel gut!“ jubeln konnten, dafür aber weitgehend „fernsehlos“ aufwuchsen, wissen es ohnehin:
die gegenwärtige weiße Pracht ist mitnichten eine Katastrophe, zu der sie von den Medien oder an die Grenzen ihrer Fähigkeiten stoßenden Verkehrsdienstleistern gemacht wird, sondern ein ganz normaler Winter!

Schließlich offenbaren sich an Schneelast oder Eisanhang wieder einmal die zwei Seiten der Natur - die schöne und die anstrengend-brutale. Sie gehören zusammen. Wer mit beiden umzugehen weiß, lebt nicht nur entspannter, sondern auch länger.
Wirklich gefährlich ist uns nur der - heute jedoch bei naturentfremdeten Menschen immer häufiger anzutreffende - Mangel an Demut vor der Natur, denn: dann schlägt sie meist zurück!

Übrigens:
Alle Voraussagen deuten darauf hin, dass dieses Winterwetter noch eine Weile anhalten wird.
Machen Sie sich also vor Ihrem nächsten Waldspaziergang einfach unter www.unwetterzentrale.de bzw. einer anderen Wetterseite im Netz über die aktuelle Situation sachkundig oder fragen sie Ihren „Förster von nebenan“!

Am besten ist es freilich, sich für den winterlichen Waldgang einem „Waldprofi“ anzuvertrauen und an geführten Försterwanderungen teilzunehmen:
Die finden Sie u.a. in www.treffpunkt-wald.de.

Klaus Radestock
(mit freundlicher Genehmigung zur Nutzung eines Artikels von Dr. Gerald Slotosch aus NaturparkBOTE Thüringer Wald Januar 2010)

Anlage: Wissenswertes zum Thema Schnee und Eis im Wald

1. Wieso müssen eigentlich unsere Waldbäume derzeit solch’ tonnenschweren Lasten tragen?

Wann sich Schnee- und Eisanhang auf den Gehölzen bildet, hängt von der Wetterlage ab. Häufig ist dies der Fall, wenn feuchte Tiefdruck-Luftmassen aus dem atlantischen Raum auf kalte Hochdruck-Luftmassen des Kontinents treffen.
Insbesondere sogenannte V a/b (sprich fünf a/b) Tiefdruck-Wetterlagen bringen viele Niederschläge. Das V a/b-Tief entsteht durch einen Kaltluftvorstoß über Frankreich in das westliche Mittelmeer (häufig in Verbindung mit einer Nordwestwetterlage) oder mit der Bildung eines Tiefs im westlichen Mittelmeerraum.

Auch ein von England (kürzlich beim Tief „Daisy“) oder der Biskaya über Frankreich südwärts geschobener Tiefkern (Va), der südlich der Alpen weiterzieht und dann von Südwest nach Nordost streicht (Vb) hat solche Wirkung.
Im Mittelmeer nimmt ein solches Tief viel Feuchtigkeit auf, was typischerweise zu schweren Niederschlägen führt – und dann im Winter eben jene weiße Pracht hervorbringen, die und jetzt so sehr beschäftigt.

Bei Schneefall bilden sich natürlich auf den Bäumen und deren Ästen dicke Auflagen. Je nach Form kann der Schnee sehr leicht sein (Pulverschnee), aber auch als nasser, schwerer Pappschnee fallen. Wenn die Außentemperatur extrem kalt ist, gefriert der auf den Ästen liegen gebliebene Schnee und bildet eine Eisschicht oder Eisanhang. Dieser Eisanhang ist je nach Menge der Schneeauflage unterschiedlich schwer.

2. Warum brechen die Äste unter der Schneelast?

Manchmal wird nun diese winterliche Astbelag-Schicht durch mehrfachen Wechsel von Tauen und Frieren um die Null-Grad-Grenze zu schwer - dann biegen sich die Äste sich Richtung Boden durch. Dabei entsteht ein Druck, durch den der Ast abbrechen kann. Ist dies der Fall, spricht man vom Eisbruch oder auch Schneebruch, also einem Abbrechen von Baumteilen aufgrund des Gewichts von Schnee und Eis. In extremen Fällen kann es auch vorkommen, dass Kronenteile oder gar ganze Bäume abbrechen. Allerdings braucht es dazu sehr starke Schneemengen und Eisanhänge, und die tiefen Temperaturen müssen über einen längeren Zeitraum auf den Baum wirken.

3. „Aktion Schneebesen“

Wenn die Wetterlage mit Schnee und Eisanhang einmal da ist, dann kann nur in seltenen Fällen noch etwas aktiv dagegen getan werden, um Wälder vor Schäden zu bewahren.
1979 konnten beispielsweise in der Region Rheine durch Überfliegen von 8 Hubschraubern in insgesamt 47 Flugstunden 1.100 Hektar Fichte vor der Zerstörung gerettet werden. Mit den durch die Rotorblätter erzeugten Winden wurden dabei die Schneeanhänge von den Bäumen gedrückt.
Diese „Aktion Schneebesen“, wie sie von der Bundeswehr liebevoll genannt wurde, bleibt aber einmalig in der Geschichte des Forstwesens. Es zeigt sich darin auch wieder einmal, dass die technischen und finanziellen Möglichkeiten zur Beeinflussung von Wetter- oder gar Klimaereignissen sehr begrenzt sind.