Wald-Jahr der biologischen Vielfalt 2010
… ein Schwerpunkt auch für die diesjährige Waldpädagogik

Die UNO hat das Jahr 2010 als Internationales Jahr der biologischen Vielfalt ausgerufen. In der Begründung dazu heißt es, dass die Weltgemeinschaft höchst besorgt über die sozialen, wirtschaftlichen, ökologischen und kulturellen Auswirkungen des Verlusts der biologischen Vielfalt auf der Erde ist. Es wird die Notwendigkeit betont, konkrete Maßnahmen zu verabschieden, um
diesen Trend umzukehren. Diese Proklamation bedeutet aber auch, dass die Ziele der 1992 ausgehandelten
Biodiversitäts-Konvention bisher nicht erreicht werden konnten.

Für die europäische Union wurde 1998 eine Europäische Strategie für biologische Vielfalt verabschiedet - wegweisende Initiativen wie das Schutzgebietsnetz Natura 2000 folgten.
Waldbezogen finden sich die Zielstellungen auch im Forstaktionsplan der EU wieder.

Deutschland wiederum setzt diese Aufgaben u.a. mit seiner Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt, Waldstrategie 2020 … um.

Was nun unseren Verantwortungsbereich, den Wald, betrifft:
Die deutsche Forstpolitik ist von jeher auch darauf ausgerichtet, die biologische Vielfalt im Wald zu erhalten und zu fördern. Wir wissen: Ein naturnah und gut strukturierter Wald ist weitaus widerstandsfähiger gegenüber Umwelteinflüssen und damit stabiler als eine Monokultur.
Deshalb haben wir uns für eine naturnahe Waldbewirtschaftung entschieden. Denn: Eine solche ökologische Waldwirtschaft erhält, schützt und verbessert den Lebensraum Wald auch in seiner strukturellen Vielfalt und seinem Artenreichtum.

Es ist denkbar, mit dem Begriff Waldnaturschutz ein forstliches Aufgabenfeld zu definieren, das speziell der Erhaltung, Wiederherstellung und Verbesserung der biologischen Vielfalt des Waldes als Selbstzweck dient und damit die Lebensressource Wald sichert.
Von welchen Handlungs-Maximen für einen solchen Waldnaturschutz könnten sich die deutschen Forstleute leiten lassen? In der Überlegung sind zum Beispiel:

  • Waldnaturschutz ist ganzheitlich:
    Handle so, dass Deine Waldnaturschutz-Maßnahmen Ergebnis umfassender und vernetzter Betrachtungen der ökologischen Zusammenhänge sind und flächendeckend in die Waldbewirtschaftung integriert werden.
  • Waldnaturschutz ist langfristig:
    Handle so, dass Deine Waldnaturschutz-Maßnahmen Ergebnis eines „Denkens in Generationen“ und damit nachhaltig sind – gestalte Deine Arbeit achtsam rück-, sorgsam hin- und klug vorausschauend!
  • Waldnaturschutz ist gemeinwohlorientiert:
    Handle so, dass Deine Waldnaturschutz-Maßnahmen den Eigenwert der Natur berücksichtigen und darüber hinaus dem Wohlergehen der ganzen Gesellschaft dienen!
  • Waldnaturschutz ist kooperativ:
    Handle so, dass Deine Waldnaturschutz-Maßnahmen nach Möglichkeit in Abstimmung mit den „Naturschützern von nebenan“ sowie in Zusammenarbeit mit waldbezogen tätigen Verbänden, Vereinen und anderen Kooperationspartnern erfolgen!

Die Förster sowie ihre Naturschutz-Partner werden Wald ist Vielfalt in den nächsten Wochen und Monaten zum Gegenstand von Aktionen und Publikationen machen.
Und: Ihre Initiativen auch zur Biodiversität sind auf vielen Gebieten als „Kooperations-Sache“ angelegt - sie werden voraussichtlich gemeinsam mit waldbezogen wirkenden Partnern wie dem Deutschen Forstverein, dem Bund Deutscher Forstleute, dem Deutschen Jagdschutzverband, der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald … stattfinden.

Richtig losgehen dürfte Wald ist Vielfalt am 21. März 2010, dem internationalen Tag des Waldes und bekanntlich einer der Höhepunkte des „Waldjahres“. Dabei wird es wieder eine Fülle öffentlichkeits-wirksamer Aktionen geben. Neben dem obligaten Start zur Frühjahrsaufforstung werden die Leitveranstaltungen heuer jedoch vor allem dem Thema biologische Vielfalt im Wald gewidmet sein.

Übrigens:
Das Thema Wald ist Vielfalt wird natürlich auch ein Schwerpunkt der waldpädagogischen Arbeit der nächsten Monate sein. Hier ergeben sich viel Möglichkeiten - bei Waldprojekttagen und Jugendwaldeinsätzen mit Schülern der Sekundarstufe I und II, in der Schulwaldarbeit, als Waldtheater-Thema für Grundschüler, zu Waldjugendspielen oder Waldrallyes, in Waldwerkstätten, Waldlehrgärten und anderen „Grünen Lernorten“, bei Försterwanderungen …

Klaus Radestock