Ein Lob den Familienwaldtagen!

FamilienwaldtagMit der Mehrzahl ihrer Angebote versteht sich die Waldpädagogik als "Juniorpartner" des Bildungswesens. So sehr sie deshalb auch vorrangig auf Schüler-Gruppen sowie unterrichtsergänzend ausgerichtet ist: die meisten waldpädagogischen Einrichtungen nutzen ihre Kapazitäten speziell an Wochenenden oder in den Schulferien immer auch für Familienwaldtage.

Familienwaldtage sind mehrstündige, waldfachlich betreute Walderlebens-Angebote für verwandtschaftlich-partnerschaftlich eng verbundene Menschengruppen, die in der Regel einen eigenen Hausstand (lat. familia = "Hausgemeinschaft") bilden.

Warum Familienwaldtage so wichtig sind

Ich halte diese waldpädagogische Angebots-Form vor allem aus diesem Grund für unverzichtbar:

Familien haben für das Zusammenleben von Menschen unerhört wichtige erzieherische Funktionen; sie befähigen zu einem verantwortungsvollen "Selbst" durch Herausbildung der Motivationen sowie Fähigkeiten von Heranwachsenden, zu "Wir-Tugenden" und sozialer Kontrolle. Sie bilden das kleinste, für die Kinder erste, aber insgesamt wahrscheinlich wichtigste menschliche Netzwerk. Als sozialer Raum für Wachstum, Entwicklung und Geborgenheit sind intakte Familien entscheidend für das Entstehen von Kompetenz und Handlungspotential nachfolgender Generationen.

Keine andere Menschen-Gemeinschaft (ein echter Freundeskreis vielleicht ausgenommen) gewährleistet gleichermaßen uneigennützige Hilfe – selbst in der Not. Hier gilt das Leistung-Gegenleistung-Prinzip und die "Man-muss-für-alles-im-Leben-bezahlen-Erfahrung" ausdrücklich nicht! Der Theologe DAVID MCKAY meinte vor 80 Jahren zu diesem Thema zu Recht: "Kein anderweitiger Erfolg kann ein Versagen in der Familie wettmachen."

Heute wird bekanntlich der Zerfall oder das Scheitern der traditionellen Familien beklagt; im trendigen städtischen "Single-Dasein" vermeiden es viele der "Selbstverwirklichungs-Raserei" verfallene Menschen überhaupt, noch Familien zu gründen. Dafür gibt es viele in Erscheinungen der "Moderne" und des "Zeitgeistes" liegende Ursachen, die ich hier einmal als bekannt voraussetzen will. Jedoch sollten wir uns auch daran erinnern, dass die "Normalfamilie" etwa seit Mitte der 1960-er vielerorts beständig diskreditiert wird.

Zu den möglichen Folgen dieser Entwicklung sagte Papst BENEDIKT XVI. im Jahre 2008: "Alles, was dazu beiträgt, die auf die Ehe eines Mannes und einer Frau gegründete Familie zu schwächen, was direkt oder indirekt die Bereitschaft der Familie zur verantwortungsbewussten Annahme eines neuen Lebens lähmt, was ihr Recht, die erste Verantwortliche für die Erziehung der Kinder zu sein, hintertreibt, stellt ein objektives Hindernis auf dem Weg des Friedens dar."

Wir Forstleute, Mitglieder der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und andere "Waldprofis" leiten aus unserer intensiven Befassung mit dem "ewigen Wald" und speziell dem in langen Umtriebszeiten zu bewirtschaftenden nachwachsenden Naturstoff Holz unsere zu den konservativen Tugenden zählende Nachhaltigkeits-Kompetenz ab, und sind zu Recht stolz darauf. Denn: Sie verleiht uns die Fähigkeit, "in Generationen" und damit langfristig und zukunftsfähig zu denken – gerade so, wie es auch Familien tun müssen. Eben aus diesem Grund sollten wir alles tun, um mit unseren waldpädagogischen Angeboten zur Stärkung von Familien beizutragen!

Ein schönes Beispiel: Herbstlicher "Waldspieltag" in Rheinland-Pfalz

In der Ankündigung für diesen am 13.10.10 am Haus der Nachhaltigkeit stattfindenden Familienwaldtag heißt es:

"Was kann es Schöneres geben, als im Herbst durch Berge bunter Blätter zu toben oder dampfende Kartoffeln aus der Glut zu verspeisen? Das schmeckt natürlich im Wald am allerbesten. Schlaue Füchse und flinke Wiesel sind gefragt, wenn es an den insgesamt 8 verschieden Spielstationen mit Grips und Action rund um das Thema Wald geht. Bäume müssen erraten, Waldbrände gelöscht, Moore überquert werden und noch einiges mehr, bis sich all diejenigen, die genügend Punkte gesammelt haben, am Ende auf eine kleine Überraschung freuen dürfen. Wer mitmachen will, erhält für nur 1 € einen Spiele-Pass und kann an allen Stationen zeigen, was in ihm oder in ihr steckt.

Das Angebot eignet sich besonders für Familien mit Kindern zwischen 5 und 12 Jahren. Da nicht jede Station betreut wird, sollten kleinere Kinder nicht alleine losgeschickt werden. Förster Hans-Georg Hofmann und sein Team werden vor Ort als Ansprechpartner zur Verfügung stehen und bieten bei einzelnen Stationen Hilfestellung an. Zudem besteht eine kostenlose Grillmöglichkeit am großen Lagerfeuer - Grillsachen bitte selbst mitbringen. Es ist keine Voranmeldung erforderlich."

"Waldrallye" als waldpädagogisches Erfolgsprodukt

Unser Familienwaldtag-Beispiel verweist auf waldbezogene "Spielstationen mit Grips und Action" - für ein solches waldpädagogisches Herangehen hat sich den letzten Jahren der Begriff "Waldrallye" geprägt.

Dazu sollte man wissen: Zur Durchführung von Familienwaldtagen bewährten sich die unterschiedlichen waldpädagogische Methoden sowie die Verknüpfung mit anderen Angeboten wie geführten Waldwanderungen, Waldeinsätzen, Walderlebnistagen, Waldrallyes ... Letztere (ein besserer Name wird noch gesucht, weil: "Rallye" klingt stark nach Autosport!) sind seit einigen Jahren (auch) ein besonders erfolgreiches waldbezogenes "Familien-Mittel".

Waldrallyes wurden vor 10 Jahren am brandenburgischen "Grünen Lernort" Baruth als "kleine Schwestern der Waldjugendspiele" entwickelt – die Verfahren ähneln sich, jedoch nehmen weniger (maximal 30) Leute teil, die einzelnen Erlebnisstationen werden in der Regel nicht personell betreut ... Es sind waldfachlich organisierte waldpädagogische Veranstaltungen, bei denen Schüler-, Erwachsenen- oder Familiengruppen miteinander in einen auf Walderlebnisse, Waldwissen und körperliche Betätigung orientierte Wettbewerbe treten; die Beteiligten lösen dabei gruppenweise Aufgaben, und oft gibt es zum Abschluss kleine Preise.

Übrigens:
Hier können Sie zahlreiche Naturlehrmittel-Tipps in Sachen Familienwaldtage (2.1.), Waldferien (2.6.) oder Waldrallyes (2.10.) erhalten.