„Praxis Dr. Wald“
… und der Weltgesundheitstag

Wald hilft und heilt

Die Worte Wald und Gesundheit sind für viele Menschen zu Recht ein Begriffspaar.
Sie alle wissen: Wald hilft und heilt!
Was aber ist am geflügelten Wort vom „Doktor Wald“ wirklich dran?

Ein paar wald-relevante Gedanken zum 7. April 2010, dem Weltgesundheitstag:

Gesundheit wird als Zustand des umfassenden körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens definiert.
Sie ist den meisten Leuten heute das entscheidende Gut – es gibt kaum ein Gespräch unter Bekannten, keinen Geburtstags- oder Neujahrsgruß, kein Niesen, kein Zuprosten …, bei dem nicht ein „Gesundheit!“ voran- oder nachgestellt ist.

Wer etwas für sein „stoffliches“ sowie „seelisches“ Wohlbefinden tun will, jedoch kein Millionär ist und - vielleicht mit zunehmender Lebensweisheit - auch den Grundsatz „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“ wieder zu schätzen gelernt hat, dem empfehlen die Förster und ihre Partner von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW): Gehen Sie möglichst oft in den Wald!

Tun Sie das, wenn machbar, gemeinsam mit Familie, Freunden, Kollegen oder auch einmal anlässlich einer Försterwanderung. Gerade jetzt im Frühling, da die Sonne täglich höher steigt, die Vögel singen, die Knospen „knallen“ …, entdecken Sie dabei viel Schönes, Interessantes und Wissenswertes, können darüber mit liebenswerten Zeitgenossen plaudern, singen dabei vielleicht sogar wieder einmal ein Lied … und holen sich so Kraft und Lebensfreude für den Alltag.

Hier einmal die tieferen Gründe für den Rat der „Waldprofis“:

„Wald kann Körperpfleger“

Die positiven Wirkungen des Waldes als „Körperpfleger“ sind uns bestens vertraut - dazu nur einmal ein paar Stichworte: Staubfreie und durch ätherische Öle bakterienarme Luft mit würzigem Duft, angenehmes und von ausgeglichenen Temperaturen bestimmtes reizarmes Schonklima, das Fehlen lästiger Geräusche … Wald bietet auch Raum für Bewegung: Mit der Möglichkeit für Körperertüchtigungen sowie Freizeit-Aktivitäten auf weichem Waldboden und unter den schattenspendenden Kronen der Waldbäume fördert er den Gleichgewichtssinn und schont die Gelenke, stärkt Herz, Kreislauf oder Muskeln und hilft gegen Diabetes, Übergewicht oder Infarkt.

Als „Natursanatorium“ mindert der Wald so eine große Zahl von gesundheitlichen Problemen, trägt zum Beispiel zur besseren Durchblutung von Lunge und Gehirn, Stärkung des Immunsystems, Senkung des Blutdrucks, Verbesserung der Blutzuckerwerte … bei.

Wald ist auch „grüne Apotheke“ – viele hier wachsende Wildpflanzen haben eine gesundheitsfördernde Wirkung und können damit als Heilpflanzen gelten. Sie verfügen im Vergleich zu am Profit ausgerichteten Züchtungen oft über einen hohen Nährwert, enthalten viele Vitamine und Mineralsalze; ihre Blätter sind kalzium- und eisenhaltig. Essen Sie doch zu Probe einfach einmal Walderdbeeren und im Vergleich zu gleichfalls „Erdbeeren“ genannten Erzeugnissen aus der Kaufhalle – und urteilen Sie dann selbst!

„Wald ist Seelentröster“

Schon weniger bekannt ist der Wald als „Seelentröster“: Mit beruhigendem Grün, wohltuenden Lichtverhält-nissen, angenehmen Farb- und Helligkeitskontrasten, ästhetischen Bildern, sympathischen Düften und der Chance zum Jahreszeiten-Erleben vermag er uns zu ertüchtigen und zu euphorisieren, Stress abzubauen, Glück und Freude zu bereiten.

Hier kann man seine „Seele baumeln“ lassen, die Natur - und damit sich selbst - mit allen Sinnen bewusst erleben, den uns medial verpassten künstlich-affektierten Schein samt Marktschreierei- und Schaumschlägerei-Maske einmal abwerfen, kreativ und spontan sein, abseits der hektischen Welt Entschleunigung, Beschaulichkeit und Stille suchen. Dabei hilft die Farbe Grün und ihre harmonisierende Wirkung auf die Psyche sowie Hell und Dunkel als Anregung der Sinnesorgane durch Abwechslung, Ausgleich oder Unterstützung der eigenen Stimmung.

Jeder Waldgang vermag damit immer auch ein wenig Zuversicht zu geben, Hoffnung zu wecken, Mut zu machen, innere Stabilität, Ruhe und Ausgeglichenheit zu bewirken. Solche Eigenschaften wurden von unseren Altvorderen einst mit dem Wort „Seelenfrieden“ bezeichnet – sie fehlen heute bekanntlich zahlreichen Zeitgenossen, denn: Psychische Störungen, Depressionen … nehmen derzeit sprunghaft zu! In unserer anstrengenden, von „Konsumterror“ geplagten Leistungsgesellschaft erleben viele Menschen (manchmal schon als Kinder und Jugendliche) Momente des „Nicht-mehr-Könnens“ oder sogar der Depression, wenn sie sich ungenügend unterstützt, einsam und unwert fühlen. Manchmal entwickeln sich daraus auch Zustände, die als „Ausgebrannt-Sein“ bezeichnet werden. Darunter leidet natürlich auch das Mensch-Mensch-Verhältnis und damit das, was unsere Vorfahren einst als „Nächstenliebe“ bezeichneten, denn: Wer nicht mit sich selbst zurecht kommt, schafft das natürlich auch nicht mit anderen! Auch hier hilft der Waldgang in der Gruppe: Gemeinsames erlebnishaftes Natur-Entdeckungen, das Teilen von Wald-Erfahrungen … vermag zu ermöglichen, in einer „atomisierten“ Welt den „Nächsten“ wieder zu entdecken, Wir-Tugenden neu zu beleben, Respekt vor den Mitmenschen zu lehren …

Fassen wir zusammen: Als potenzieller Wohltäter für den menschlichen Geist vermag „Doktor Wald“ Leute, die ihn konsultieren, ein wenig zu lehren, die heute manchmal als „Selbstverwirklichungs-Raserei“ beklagte dreifache Entfremdung - von der Natur, vom Mitmenschen und von sich selbst - zu überwinden.

In den 1950-ern hat der damalige deutsche Bundespräsident Theodor Heuss (1884 - 1963) das, was wir heute als jenes seelische Doktor-Wald-Anliegen beschreiben, einmal mit folgenden Worten gekennzeichnet: „Es braucht der Mensch die Naturerlebnisse als Gegengewicht gegen die Unruhe und Ängste des Herzens, gegen den kalten harten Glanz laufender Maschinen ... Die Welt ist unheimlich geworden, aber die Wege, die uns das Gewissen zeigt - zurück zur Natur - können uns aus dem Höllenkreis herausführen.“

Waldpädagogik-Thema Wald & Gesundheit

Seit vielen Jahren suchen besonders naturfern in Städten aufgewachsene Menschen „Körpererfahrung“ und „Seelenruhe“ im Wald. Neben faszinierendem Wissen über die Wunderwelt des Waldes finden sie hier - ganz nebenbei - auch „Herzensbildung“, kommen zu Sinnstiftung und Überzeugungen.

Jedoch: Durch die virtuelle „Hightechwelt“ aus Fernsehen, Computer & Co. und ein verwissenschaftlichtes sowie durch „Reformitis“ deformiertes Bildungssystem sind im besonderen Maße junge Menschen heute weitgehend naturentfremdet. Ihnen gelingt der erstrebte Zugang zu „Doktor Wald“ oft nicht mehr ohne Hilfe von außen. Sie wenden sich mit der Bitte um Walderleben und Wald-Interpretation zunehmend an „Wald-Profis“.

Die dann notwendige „Überweisung“ der Menschen an „Doktor Wald“ durch Förster oder SDW-Mitglieder geschieht bekanntermaßen seit den 1980-ern mittels Waldpädagogik (lesen Sie dazu Näheres auch hier):
An Jugendwaldheimen, Waldschulen, Waldwerkstätten, in Schulwäldern, Waldlehrgärten oder Waldmobilen, bei Waldwanderungen, Waldprojekttage und Jugendwaldeinsätzen, Waldschul-, Waldtheater- und Schulwaldarbeit, Waldjugendspielen oder Waldrallyes, in Forst-AG’s, mit forstlichen Ganztagsschulangeboten … machen sie auf vielfältige Weise auch Wald & Gesundheit zu einem Thema der waldbezogenen Umweltbildung!

„Praxis Dr. Wald“- das Anliegen

Damit jedoch nicht genug - über lyrische Lobpreisungen, wissenschaftliche Abhandlungen, waldpädagogische Absichtserklärungen und Aktivitäten hinaus wird derzeit im Bundesland Brandenburg dieses Thema einmal verständlich und nachdrücklich „auf den Punkt zu gebracht“:
Im Waldlehrgarten des Märkischen Haus des Waldes (www.haus-des-waldes.info) entsteht eine besondere „Praxis Dr. Wald“, über die Sie sich im Internet hier schon einmal informieren können: www.luis.brandenburg.de/service/adressen/S7100079/default.aspx?WP=WEL.

„Praxis Dr. Wald“ - die Geschichte

Die Mannschaft des Haus des Waldes (damals: Naturschutzstation Frauensee) befasst sich schon seit 1979 mit den Möglichkeiten (und Grenzen) des Zusammenhangs zwischen Wald und Gesundheit. Frühe Impulse erhielt sie durch das 1978 erschienene Buch Harald Thomasius’s „Wald. Landeskultur und Gesellschaft“. Im Kapitel 4 werden hier (erstmals?) die Einflüsse des Waldes auf die menschliche Gesundheit zusammengetragen. Zu Beginn der 1980-er wurde dieser Ansatz noch verstärkt, als man über Kontakte mit Kollegen im nahegelegenen Forstrevier Sauen eine Weile auf den Spuren August Bier’s wandelte. Der weltbekannte Berliner Chirurg und Erfinder setzte sich bekanntlich nicht nur leidenschaftlich auch für Heilgymnastik und Sport in freier Natur ein, sondern „beförsterte“ mit Begeisterung gleichermaßen sein Waldgut Sauen bei Beeskow im Südosten Berlins. Mit Methoden ökologischer Waldbewirtschaftung machte er auch sich in Forstkreisen weithin bekannt, entwickelte Sauen zu einem „Mekka“ der modernen Forstwirtschaft und gibt so ein gutes Beispiel für die auf Befähigung zu nachhaltigem Denken begründete „Seelenverwandtschaft“ von Ärzten und Förstern. Aber leider – die Zeiten waren damals nicht so, dass diese spannenden Erkundungen hätten weiter vertieft werden können!

Erst 20 Jahres später - 2001 - ging es hier wieder voran. Anlässlich des damals durch die UNO proklamierten „Jahres der Gesundheit“ kramte man am Haus des Waldes die alten Unterlagen wieder hervor, und wurde beim weiteren Recherchieren zum Thema Wald und Gesundheit besonders auf neuere schweizerischen Überlegungen und Initiativen aufmerksam.

Bei der Suche nach einem bürger- und medienfreundlichen Kürzel für die Wald-hilft-und-heilt - Gedankenwelt verständigten sich die „Macher“ nach kontroverser Diskussion und angeregt durch das gleichnamige schöne Gedicht des Försters Helmut Dagenbach auf den Begriff „Doktor Wald“.

Nach dem brandenburgischen Erfolgsrezept der „Walderlebniswelten“ (vergleiche www.mugv.brandenburg.de/cms/detail.php/lbm1.c.354628.de) ging es dann in der Folge auch darum, „Doktor Wald“ gewissermaßen als eine Art liebenswerten Waldbewohner zu identifizieren und zu personifizieren, um das Anliegen auf diese Weise „anfassbar“ und somit leichter verständlich zu machen.
So wurde im Jahr 2006 die Idee einer „Praxis Dr. Wald“ geboren.

„Praxis Dr. Wald“ – der Ausblick

Diese einzigartige waldbezogene „Muster-Heilstätte“ wird derzeit am Märkischen Haus des Waldes als Kooperationsprojekt Landesbetrieb Forst Brandenburg – SDW Brandenburg errichtet.
Sie lädt ihre Besucher ab 2011 ein, die gesundheitsfördernden und -erhaltenden Wirkungen des Waldes leibhaftig und unvergesslich mit allen Sinnen zu erfahren.
Nach den menschlichen Wahrnehmungsorganen ist der 8-Stationen-Parcours denn auch gegliedert:
Einer Begrüßung durch den „Doktor“ an der „Praxistür“ (Startpavillon) folgen eindringliche Lektionen in Wald sehen, Wald hören, Wald riechen, Wald schmecken, Wald fühlen, Wald bewegt (Gleichgewichtssinn) und Wald denken ( Mythos Wald / „siebter Sinn“).

Die künftige „Praxis Dr. Wald“ wird allen Menschen offen stehen, soll spezielle Programme jedoch zunächst für drei Zielgruppen aufweisen:

  • Oberschüler (9. bis 12. Klasse) - mittels Waldprojekttagen zum „Wald erforschen“
  • Familien - mittels Familienwaldtagen zum generationenübergreifenden Walderleben
  • Senioren - als Teil des „Generationsnetzwerks Wald“

Wir wünschen uns natürlich, mit diesem Experiment zu einem Erfahrungs- und Informationsaustausch auch mit der Berufsgruppe der Ärzte zu kommen und sie als unverzichtbare Hoffnungs- und Entscheidungsträger sowie Meinungsbildner auf diese Weise stärker als bisher zu erreichen. Damit könnte die „Praxis Dr. Wald“ auch „Kondensationskern“ einer fruchtbaren Partnerschaft zwischen Förstern und Medizinern werden!

„Doktor Wald“ vermag zu helfen und zu heilen – über Risiken und Nebenwirkungen ist zu diesem altehrwürdigen „Äskulap-Jünger“ und seine Medizin bislang nichts bekannt geworden.
Fragen Sie Ihren Arzt oder Förster!

Klaus Radestock
Klaus.radestock@gmx.de

Anlagen:

1. Doktor-Wald-Gedicht (Autor: Förster Helmut Dagenbach)

Wenn ich an Kopfweh leide und Neurosen,
mich unverstanden fühle oder alt,
und mich die holden Musen nicht liebkosen,
dann konsultiere ich den Doktor Wald.

Er ist mein Augenarzt und Psychiater,
mein Orthopäde und mein Internist.
Er hilft mir sicher über jeden Kater,
ob er von Kummer oder Cognac ist.

Er hält nicht viel von Pülverchen und Pille,
doch umso mehr von Luft und Sonnenschein.
Und kaum umfängt mich angenehme Stille,
raunt er mir zu: „Nun atme mal tief ein!“

Ist seine Praxis oft auch überlaufen,
in seiner Obhut läuft man sich gesund.
Und Kreislaufkranke, die noch heute schnaufen,
sind morgen ohne klinischen Befund.

Er bringt uns immer wieder auf die Beine,
das Seelische ins Gleichgewicht,
verhindert Fettansatz und Gallensteine.
nur ‑ Hausbesuche macht er leider nicht.

2. Postkarte Doktor Wald

3. „Praxis Dr. Wald“ - Maskottchen-Entwürfe