Waldpädagogische Pilztage mit Tradition am Märkischen Haus des Waldes

BNEWie in vielen anderen waldpädagogischen Einrichtungen finden auch am Märkischen Haus des Waldes (Ortsteil Gräbendorf) in Heidesee (Bundesland Brandenburg) jeweils im Herbst Pilzveranstaltungen für die interessierte Öffentlichkeit statt – hier im südöstlichen Berliner Umland nunmehr seit bereits 19 Jahren.
Von Beginn an war er als Pilz-Profi und -Referent der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald immer mit dabei: Holger Görlitz, studierter Philosoph und Geschäftsführer der im benachbarten Bestensee ansässigen Dubrow-GmbH.

Die Gräbendorfer Pilztage

... sind bei den Brandenburgern und ihren Gästen außerordentlich beliebt – manchmal kommen bis 100 Gäste; fast zu viel für den kleinen Waldlehrgarten des Märkischen Haus des Waldes.

Vom Ablauf her hat sich in zwei Jahrzehnten bewährt, um 15 Uhr mit einer Pilzerklärung und -beratung zu beginnen:
Der Referent breitet die am Vormittag gesammelten Waldfrüchte auf großen Tischen aus, gibt Erläuterungen und beantwortet Fragen. Hierbei erfährt man Spannendes & Wissenswertes nicht nur zu den einzelnen Arten und ihrer kulinarischen Eignung oder Nichteignung, sondern auch zum bewegten Mensch - Pilz - Verhältnis, und nimmt z.B. erstaunt zur Kenntnis, dass die Giftigkeit mancher Arten von Osten nach Westen sowie Norden nach Süden zunimmt: Ein Fakt, der ausländischen Besuchern des Bundeslandes Brandenburg durchaus zum Verhängnis werden kann.

Nach ungefähr einer Stunde geht es dann an`s Pilze-Putzen – alle machen mit ...

In der Folge heißt es: Ab in den umliegenden Wald zum gemeinsamen Pilze-Sammeln.
Bei dieser Pilzexkursion ist Gelegenheit, mehr über die Lebensräume der „behüteten“ Waldgeschöpfe zu erfahren: wo wächst welche Art wann und warum, wie sammelt man richtig ...

In den Waldlehrgarten zurückgekehrt laben sich die Teilnehmer nun an deftigen, differenziert zubereiteten thematischen Pilzmahlzeiten, welche die Haus-des-Waldes-Mitarbeiter sowie freiwilliger Helfer inzwischen aus dem mitgebrachten „Erläuterungs-Pilzberg“ zubereitet haben.
Beim kürzlichen Oktoberpilztag am 2.10.10 gab es dabei übrigens folgendes Menü:

  • Pilzpfanne aus Habichtspilzen
  • Pilzpfanne aus Hallimaschpilzen
  • Pilzsuppe nach brandenburgischer Art
  • Pilzsuppe nach sächsischer Art
  • Schmalz- und Kräuterstullen-Beilage
  • Früchtetee sowie Kaffee zum Nachspülen

In gemütlicher Runde klingt der Tag dann gegen 19 Uhr am herbstlichen Lagerfeuer aus:
die Pilzausstellung wird besichtig, ein Pilzquiz gelöst, Familien besuchen mit ihren Kindern das Waldtheater, den „Doktor Wald“ (Neuheit!) oder die verschiedenen Walderlebniswelten und „verwandeln“ sich bei dieser Gelegenheit in Hirschkäfer, Jäger ...

Was man noch über Pilze und Waldpädagogik wissen sollte ...

Ob als schmackhaftes Lebensmittel, lästiger Fußpilz, geheimnisvolles Mutterkorn oder heilendes Penicillin – Pilze sind im Leben der Menschen allgegenwärtig.
Die uns als Waldfrüchte interessierenden Arten gibt es - wenige wissen das - das ganze Jahr über, aber der „Pilzkult“ konzentriert sich bekanntlich vor allem auf die spätsommerlichen bzw. frühherbstlichen Monate September und Oktober.

Unser heutiges Verhältnis zu diesen faszinierenden, weder dem Tier- noch dem Pflanzenreich zuordenbaren Lebewesen wird bekanntlich nicht mehr nur aus der Kochtopfperspektive bestimmt. Denn: „Pilzjagd“ ist für viele Zeitgenossen vor allem ein zwar nur wenige Wochen währendes, aber sehr reiz- und stimmungsvolles, dem „Erholungs- und Bildungsgut Pilz“ gewidmetes Walderlebnis.
Die Waldpädagogik kann und sollte nun dafür sorgen, dass die Waldbesucher durch Forstleute, Mitglieder der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und andere Waldfreunde im Spätsommer und Frühherbst (auch) anlässlich von Pilztagen, -wanderungen, -ausstellungen, -beratungen, -schaus, -quiz oder mittels vieler anderer Angebote und Methoden der waldbezogenen Umweltbildung betreut und angeleitet werden.

Die begehrten Waldfrüchte können in dieser Zeit leicht Mittel zum Zweck werden, die Leute nicht nur für das Ökosystem Wald zu begeistern oder über die Forstwirtschaft zu informieren, sondern bieten auch mannigfaltigen Anlass, auf die Notwendigkeit langfristigen und ganzheitlichen Denkens sowie Handelns hinzuweisen und damit Nachhaltigkeit zu lehren.

Die „waldigen“ Pilzveranstaltungen der nächsten Wochen stehen (u.a.) hier www.treffpunktwald.de.
Hier findet man (auch) unser Pilz-Quiz.

Klaus Radestock
Fon 033763-64444