Doktor Wald“
… die Waldpädagogik und der Tag der Kranken

Nur wenigen ist es bekannt: Seit über 70 Jahren wird mancherorts in Europa jeweils am ersten März-Sonntag (2010 also: 7. März) der Tag der Kranken begangen. Was aber hat das mit dem Wald zu tun?
Ganz einfach – die Worte Wald und Gesundheit sind für viele Menschen zu Recht ein Begriffspaar. Sie alle wissen: „Doktor Wald“ vermag oft zu helfen – und über Risiken und Nebenwirkungen ist bei diesem Heilkünstler und seiner Medizin bislang nichts bekannt geworden. Fragen Sie Ihren … oder Förster!

Gesundheit wird heute meist als Zustand des umfassenden körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens definiert. Wer etwas dafür tun will, jedoch kein Millionär ist und (vielleicht mit zunehmender Lebensweisheit) auch den Grundsatz „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“ wieder zu schätzen gelernt hat, dem empfehle ich als Förster: Konsultieren Sie regelmäßig „Doktor Wald“!
Tun Sie das, wenn möglich, gemeinsam mit Familie, Freunden, Kollegen oder anlässlich einer Försterwanderung
– gerade jetzt, da die Sonne täglich höher steigt, entdecken Sie dabei viel Schönes, Interessantes und Wissenswertes, tauschen sich darüber aus, singen dabei vielleicht sogar wieder einmal ein Lied … und holen sich so Mut und Kraft für den Alltag.

Hier die tieferen Gründe für meinen Rat:

Die positiven Wirkungen des Waldes als „Körpertrainer“ sind uns bestens vertraut: Saubere und durch ätherische Öle bakterienarme Luft, angenehmes reizarmes Schonklima, heilende Pflanzen, das Fehlen lästiger Geräusche oder die Möglichkeit für Körperertüchtigungen und Freizeit-Aktivitäten unter den schattenspendenden Kronen der Waldbäume seien hier einmal als Stichworte genannt.
Als „Natursanatorium“ gegen körperliche Anspannung hilft der Wald bei einer großen Zahl von gesundheitlichen Problemen, trägt zum Beispiel zur besseren Durchblutung von Herz, Lunge und Gehirn, Stärkung des Immunsystems, Senkung des Blutdrucks, Verbesserung der Blutzuckerwerte … bei.

Schon weniger bekannt ist der Wald als „Seelentröster“: Mit beruhigendem Grün, wohltuenden Lichtverhältnissen, angenehmen Farb- und Helligkeitskontrasten, ästhetischen Bildern, sympathischen Düften und der Chance zum Jahreszeiten-Erleben vermag er uns zu ertüchtigen und zu euphorisieren, Stress abzubauen, Glück und Freude zu bereiten. Das wird bekanntlich in der heutigen Zeit immer wichtiger, denn: psychische Störungen, Depressionen … nehmen zu. In unserer anstrengenden Leistungsgesellschaft erleben viele Menschen (manchmal schon als Kinder und Jugendliche) Momente des „Nicht-mehr-Könnens“, wenn sie sich ungenügend unterstützt fühlen, einsam und unwert fühlen. Manchmal entwickeln sich daraus sogar Zustände, die als „Ausgebrannt-Sein“ bezeichnet werden.
Als potenzieller Wohltäter für Körper und Geist vermag „Doktor Wald“ Menschen, die ihn konsultieren, vielleicht auch ein wenig zu helfen, die heute manchmal als „Selbstverwirklichungs-Raserei“ oft beklagte dreifache Entfremdung - von der Natur, vom Mitmenschen und von sich selbst - zu überwinden, mehr Gelassenheit, Souveränität, innere Stabilität Ruhe und Kraft zu erlangen.

Übrigens:

Die Förster sind den Geheimnissen von „Doktor Wald“ nicht nur mit ihrer waldpädagogischen Arbeit auf der Spur, wenn sie etwa Försterwanderungen, Waldprojekttage und Jugendwaldeinsätze, Waldschul-, Waldtheater- und Schulwaldarbeit, Waldjugendspiele oder Waldrallyes … durchführen.
Künftig wird’s noch konkreter: Im Waldlehrgarten des Märkischen Haus des Waldes (Landesbetrieb Forst Brandenburg, Betriebsteil Wünsdorf) entsteht derzeit sogar eine „Praxis Doktor Wald“, über die Sie sich gern hier informieren können: http://www.luis.brandenburg.de/service/adressen/S7100079/default.aspx?WP=WEL

Was man noch wissen sollte:

Originalgedicht „Doktor Wald“

Wenn ich an Kopfweh leide und Neurosen,
mich unverstanden fühle oder alt,
und mich die holden Musen nicht liebkosen,
dann konsultiere ich den Doktor Wald.

Er ist mein Augenarzt und Psychiater,
mein Orthopäde und mein Internist.
Er hilft mir sicher über jeden Kater,
ob er von Kummer oder Cognac ist.

Er hält nicht viel von Pülverchen und Pille,
doch umso mehr von Luft und Sonnenschein.
Und kaum umfängt mich angenehme Stille,
raunt er mir zu: „Nun atme mal tief ein!“

Ist seine Praxis oft auch überlaufen,
in seiner Obhut läuft man sich gesund.
Und Kreislaufkranke, die noch heute schnaufen,
sind morgen ohne klinischen Befund.

Er bringt uns immer wieder auf die Beine,
das Seelische ins Gleichgewicht,
verhindert Fettansatz und Gallensteine.
nur ‑ Hausbesuche macht er leider nicht.

Förster Helmut Dagenbach