Grundsätze der Waldpädagogik
Diskussionspapier vom 29.12.09
1. Begründung
Regeln werden meist als
- aus bestimmten Regelmäßigkeiten abgeleitete,
- aus
Erfahrungen und
Erkenntnissen
gewonnene,
- in Übereinkunften festgelegte,
- für einen bestimmten Bereich als verbindlich geltende
Richtlinien
definiert.
Solche Handlungs-Maximen sind
- allgemein anerkannt,
- verpflichtend,
- klar formuliert und nicht weiter reduzierbar,
- beständig und
- einleuchtend.
Um das waldpädagogische Bildungsziel „nachhaltig handelnder Mensch“
zu erreichen, sind klare Grundregeln der
Wertevermittlung
eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich Forstleute an der Bildung
von Körper und
Geist waldbesuchender
Kinder und Jugendlicher beteiligen und damit deren
Entwicklung
fördern können.
2. Grundsätze
Für unsere Arbeit haben sich folgende sieben am forstlichen
Nachhaltigkeitsverstand sowie an den
BNE-Prinzipien orientierte Leitlinien bewährt, aus denen Gebote für
die waldpädagogischen Akteure abgeleitet werden können.
- Waldpädagogik vermittelt:
ganzheitlich.
Handle so, dass Deinen Waldbesuchern am Beispiel Wald eine
umfassende, vernetzte und weitsichtige Betrachtung von
Zusammenhängen ermöglicht wird.
Vermittle ihnen vor allem das Gefühl, dass sie selbst Teil der Natur
sind und nicht neben oder über ihr stehen.
- Waldpädagogik vermittelt:
glaubwürdig.
Handle so, dass Du als Akteur Vorbild für Deine Waldbesucher bist.
Erweise Dich nicht nur als kenntnisreich, sondern auch als
wahrhaftig
... - lebe die Werte selbst, die Du vermitteln willst.
Bekenne Dich zu Deinem Beruf, indem Du in forstlicher
Dienstbekleidung auftrittst.
- Waldpädagogik vermittelt:
langfristig.
Handle so, dass Deine Waldbesucher am Beispiel Wald in die Lage
versetzt werden,
„in Generationen“ zu denken: achtsam rück-, sorgsam hin- und
klug vorausschauend.
Vermittle den Grundsatz „Zukunft braucht Herkunft“.
- Waldpädagogik vermittelt:
eindringlich.
Handle so, dass Deine Waldbesucher nicht nur an Deiner Waldkenntnis
teilhaben, sondern stets auch eigene Erfahrungen machen können, die
gemeinsam ausgewertet werden.
Lasse sie, wenn möglich, „Erinnerungsträger“ / „Anstifter“ aus
Naturmaterialien fertigen, damit der Tag im Wald einen bleibenden
Eindruck hinterlässt, von dem man auch Anderen gern berichtet.
- Waldpädagogik vermittelt:
sozial.
Handle so, dass Deinen Waldbesuchern am Beispiel Wald „Wir-Tugenden“
vermittelt werden.
Lehre sie insbesondere die „Goldene
Regel“ der Nächstenliebe und Gemeinwohlorientierung:
„Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg’ auch keinem andern
zu“.
- Waldpädagogik vermittelt:
schlüssig.
Handle so, dass die konkrete
Situation des
Waldtages und das Alter, Geschlecht, Wissen sowie die Einstellungen
und Lebensumstände Deiner Waldbesucher berücksichtigt werden.
Offeriere ihnen das rechte
Angebot zur rechten Zeit und an rechtem Ort.
- Waldpädagogik vermittelt:
verantwortlich.
Handle so, dass Deine Waldbesucher auf der Grundlage gewonnener
Erfahrungen selbst tätig werden und auch, die Folgen für das eigene
Handeln zu tragen.
Vermittle ihnen den Zusammenhang zwischen
Freiheit und
Verantwortung.
Es ist vorgesehen, ausgewählte Waldpädagogik-Regeln im Rahmen der
Schriftenreihe WaldLernen ausführlich zu beschreiben – wer möchte
mitmachen?
Für kritische Hinweise / Ergänzungen wäre ich dankbar!
Klaus Radestock