Angebote der Waldpädagogik

Diskussionspapier vom 29.12.09

1. Begründung

Waldpädagogik-Angebote sind Kategorien, mit denen bestimmte wesentliche Merkmale des jeweiligen waldpädagogischen Handelns (Zielgruppe, Zeitdauer, Einsatz an Gebäuden, Geländen und Naturlehrmitteln …) zusammengefasst und unter Verwendung eines treffenden kundenfreundlichen Begriffs formuliert werden.

In Deutschland finden derzeit Anwendung:
13 Kategorien Einrichtungen, unterteilt in gebäude-, gelände- und fahrzeuggestütze Angebotsformen, sowie 12 Kategorien Aktivitäten, unterteilt in periodische und aperiodische Angebotsformen.

2. Einrichtungen

2.1. Gebäudegestützte Einrichtungen

Jugendwaldheime sind mit Übernachtungsmöglichkeiten, Schlechtwetter- und Bastelraum sowie Außenanlagen (z.B. Waldlehrgärten. Waldlehrpfade) ausgestattete, forstfachlich betreute waldpädagogische Einrichtungen, mit deren Hilfe Schüler vorrangig der 7. und 8. Klasse bei ein- bis zweiwöchigem Aufenthalt i.d.R. mittels Waldeinsätzen ein arbeitsorientiertes Walderleben erfahren.

Waldschulheime sind mit Übernachtungsmöglichkeiten, Schlechtwetter- und Bastelraum sowie gestalteter Außenanlage (z.B. Waldlehrgärten, Waldlehrpfade) ausgestattete, forstfachlich betreute waldpädagogische Einrichtungen, mit deren Hilfe Schüler vorrangig der 2. bis 6. Klasse bei ein- bis zweiwöchigem Aufenthalt i.d.R. mittels Waldschul- und Waldprojekttagen oder Waldrallyes ein spielerisches und wissens-/wettbewerbsorientiertes Walderleben erfahren.

Waldschulen sind mit Schlechtwetter- und Bastelraum sowie gestalteter Außenanlage (z.B. Waldlehrgarten) ausgestattete, forstfachlich betreute waldpädagogische Einrichtungen, mit deren Hilfe Schüler vorrangig der 2. bis 4. Klasse bei halbtägigem Aufenthalt ein spielerisches Walderleben erfahren.

Rucksack-Waldschulen sind mit einem Naturlehrmittel-Depot und Rucksäcken (i.d.R. Klassensatz Kinderrucksäcke sowie Betreuerrucksack) ausgestattete, forstfachlich betreute waldpädagogische Einrichtungen, mit deren Hilfe Schüler vorrangig der 2. bis 4. Klasse bei halbtägigem Aufenthalt ein spielerisches Walderleben erfahren.

WaldwerkstättenWaldwerkstätten sind mit Werk-/Bastelräumen ausgestattete, forstfachlich betreute waldpädagogische Einrichtungen, mit deren Hilfe Schüler oder Familien Walderleben mit dem Mittel praktischer handwerklicher Tätigkeit unter Verwendung von Naturmaterialien erfahren.

Forstmuseen sind forstfachlich betreute waldpädagogische Einrichtungen, in denen ständige sowie temporäre Präsentationen zu wald-, forst- oder jagdhistorischen Themen gezeigt werden.

2.2. Geländegestützte Einrichtungen

Schulwälder sind mit diversen Naturlehrmitteln/Lehrpfad-Elementen ausgestattete, forstfachlich betreute und i.d.R. vertraglich vereinbarte schulnahe Waldgebiete, in denen Schüler den Wald als „grünes Klassenzimmer“ mit dem Mittel von Waldschul- und Waldprojekttagen, Waldrallyes sowie Jugendwaldeinsätzen spielerisch erleben, praktisch bearbeiten oder erforschen.

Waldtheater sind forstfachlich betreute waldpädagogische Einrichtungen zum halbtägigen Walderleben vorrangig für Schüler der 2. bis 4. Klasse, in denen waldbezogene Rollenspiele zu vorgegebenen Themen durchgeführt werden; jeder Teilnehmer gestaltet dabei seine Maske anhand von originalen Vorlagen selbst und befasst sich dabei mit der gewählten Rolle aus Flora und Fauna.

Walderlebniswelten sind forstfachlich betreute, mit speziellen Naturlehrmitteln ausgestattete Parcours, in welchen den Besuchern ermöglicht wird, sich mehrstündlich mit liebenswerten Waldbewohnern zu identifizieren.

Waldlehrgärten (forstliche Arboreten, ausgeschilderte Wildgehege) sind eingegrenzte, gehölzbestandene, gärtnerisch gestaltete und ausgeschilderte forstfachlich betreute Gelände, in denen ein i.d.R. erlebnishaftes Erfahren von Pflanzen- und Tierarten, Biotopen, Wald, Forstwirtschaft und Naturschutz ermöglicht wird.

Grüne Lernorte sind sonstige differenziert gestaltete Gelände, in denen Schülern forstfachlich betreutes Walderleben ermöglicht wird.
Waldlehrpfade (Walderlebnispfade, Waldlernpfade) sind forstfachlich betreute, mit Informationen über Tiere und Pflanzen, Landschaft, Wald und Forstwirtschaft und i.d.R. auch mit diversen Naturlehrmitteln ausgestattete Waldwege, welche die Besucher auch ohne fachkundige Begleitung nutzen können.

Waldlehrpfade (Walderlebnispfade, Waldlernpfade) sind forstfachlich betreute, mit Informationen über Tiere und Pflanzen, Landschaft, Wald und Forstwirtschaft und i.d.R. auch mit diversen Naturlehrmitteln ausgestattete Waldwege, welche die Besucher auch ohne fachkundige Begleitung nutzen können.

2.3. Fahrzeuggestützte Einrichtungen

Waldmobile sind forstfachlich betreute, mit Naturlehrmitteln ausgestattete Fahrzeuge (meist speziell gestaltete Kleinbusse, Anhänger oder Bauwagen), mit deren Hilfe das Walderleben im schulnahen Wald, zu öffentlichen Veranstaltungen und für Menschen ermöglicht werden kann, die nicht selber in den Wald kommen können, (Behinderte, Kranke, Gebrechliche ...).

3. Aktivitäten

3.1. Aperiodische Aktivitäten

Waldjugendspiele sind forstlichfachlich betreute waldpädagogische Veranstaltungen, bei denen Schulklassen einer oder mehrerer Schulen i.d.R. in einem schulnahen Wald miteinander in einen auf Walderlebnisse, Waldwissen und sportliche Betätigung orientierten Wettbewerb treten; die beteiligten Schüler lösen dabei gruppenweise Aufgaben.

Waldrallyes (die „kleinen Schwestern der Waldjugendspiele“) sind forstlichfachlich betreute waldpädagogische Veranstaltungen, bei denen Schülergruppen einer oder zweier Klassen sowie Erwachsenengruppen miteinander in einen auf Walderlebnisse, Waldwissen und sportliche Betätigung orientierten Wettbewerb treten; die Beteiligten lösen dabei gruppenweise Aufgaben.

WaldprojekttageWaldeinsätze sind i. d. R halbtägige, forstlichfachlich betreute einfache Waldarbeiten mit Schülern und Erwachsenen.

Waldprojekttage sind halb- bis mehrtägige, forstfachlich betreute Walderlebensangebote zum aufgabenorientierten Walderkunden / Walderforschen mit Schülern oder Erwachsenen.

Familienwaldtage sind mehrstündige, forstfachlich betreute Walderlebens-Angebote für Familien am Wochenende.

Waldführungen (Försterwanderungen) sind ein- bis mehrstündige, i. d. R. durch den örtlichen Förster geleitete organisierte Waldwanderungen.

Waldferien(tage) sind mehrstündige bis mehrtägige waldpädagogische Angebote für Schüler oder Familien zur Ferienzeit.

Walderlebnistage sind halb- bis mehrtägige, i.d.R. aus zwei bis drei waldpädagogischen Aktivitäten bestehende forstfachlich betreute waldpädagogische Angebote für Schüler oder Familien.

Multiplikatoren-Seminare sind halb- bis eintägige, manchmal auch bis einwöchige forstlichfachlich betreute, an „Multiplikatoren“ (Lehrer, Erzieher, Politiker, Pfarrer, Richter, Anwälte, Banker, Manager, Ärzte, Journalisten, Wissenschaftler ...) gerichtete, wissens-, aktions- und freizeitorientierte Walderlebensangebote.

3.2 Periodische Aktivitäten

Forstliche Schüler-Arbeitsgemeinschaften sind waldpädagogische Veranstaltungen, bei denen Gruppen waldinteressierter Kinder vorrangig der 4. bis 7. Klasse periodisch (meist einmal wöchentlich) für 2 bis 3 Stunden forstfachlich betreut werden.

Forstliche Kindergarten-Betreuungen sind waldpädagogische Veranstaltungen, bei denen Vorschulkinder an Kindergärten oder Kitas periodisch forstfachlich angeleitet werden.

Forstliche Ganztagsschul-Betreuungen sind waldpädagogische Veranstaltungen, bei denen Schülergruppen an Ganztagsschulen periodisch (meist einmal wöchentlich) forstfachlich angeleitet werden.

Es ist vorgesehen, ausgewählte Waldpädagogik-Angebote im Rahmen der Schriftenreihe WaldLernen ausführlich zu beschreiben – wer möchte mitmachen?

Für kritische Hinweise / Ergänzungen wäre ich dankbar!

Klaus Radestock